Renate Gietl (ITA) feiert Heimsieg, Patrick Pigneter (ITA) deklassiert abermals die Konkurrenz Latzfons (ck) - Renate Gietl (ITA) holte heute, Sonntag, das nach was ihr vor fünf Jahren verwehrt blieb: der Sieg vor heimischem Publikum. Beim letzten Weltcup-Rennen in Latzfons vor fünf Jahren war die Feldthurnerin als Favoritin angereist, vier Rennen in Serie hatte sie gewonnen und schien unschlagbar. Dennoch musste sie sich damals mit dem unbedankten vierten Platz zufrieden geben, die Siegerin hieß Ekatharina Lavrentjeva (RUS). „Mit dem heutigen Sieg ist ein enormer Druck von mir abgefallen, daheim zu gewinnen ist immer schwieriger und ich freue mich ganz besonders“, jubelte Gietl, die im Nachbarort von Latzfons daheim ist. Dabei gab es beim Zieleinlauf eine Schrecksekunde für die regierende Weltmeisterin: „Ich fuhr durchs Ziel und hörte den Sprecher sagen ‚zweiter Platz’ und sah den Zweier, aber dann stand plötzlich doch mein Name ganz oben.“ Der „Zweier“ hatte lediglich die Laufzeit im zweiten Durchgang angezeigt, denn in diesem war Ekatharina Lavrentjeva, die Gesamt-Zweite, um genau eine Hundertstel Sekunde schneller. Lavrentjeva ihrerseits – nun zwei Mal hintereinander von Gietl geschlagen und noch mit 30 Punkten Vorsprung Führende im Gesamtweltcup – arbeitet bereits an der Analyse ihres Laufes: „Mein erster Lauf war nicht optimal. Meine Kolleginnen haben gesagt, dass meine Startzeit sehr schlecht war. Das muss ich mir genau anschauen und daran arbeiten. Es gibt ja noch ein Rennen.“ Beim letzten Rennen der Saison, in drei Wochen in Garmisch-Partenkirchen, deutet alles auf ein spannendes Show-down hin, denn Renate Gietl hat den Gesamtweltcup noch nicht abgeschrieben: „Einen kleinen Hauch von Chance habe ich noch.“ Innerhalb kürzester Zeit zu einer fixen Größe im Weltcup hat sich Junioren-Weltmeisterin Evelin Lanthaler (ITA) etabliert. Sie belegte abermals den dritten Platz und scheint den Leistungsdruck im Weltcup souverän zu meistern: „Seit der Medaille bei der Europameisterschaft geht alles fast von selbst. ich weiß, dass ich es kann, mache mir selber keinen Druck und bin voll motiviert. Ich bin schon oft ziemlich nervös, aber ich bin auch stark im Kopf. Mein Ziel hauet war den dritten Platz aus dem ersten Lauf zu halten.“ Ein weiteres Top-Ten Ergebnis konnte die Deutsche Michaela Maurer verzeichnen. Mit einem guten zweiten Lauf gelang ihr gegenüber dem ersten Durchgang sogar noch eine Verbesserung und sie belegte den neunten Platz im Endklassement. Seine Vormachtsstellung demonstrierte einmal mehr Patrick Pigneter (ITA), wäre dabei aber beinahe Opfer seiner eigenen Überlegenheit geworden: „Das ist einer meiner Lieblingsbahnen und ich war brutal schnell im Training, so dass ich dann im ersten Lauf beinahe zu viel gebremst habe und ich war eigentlich überrascht, dass ich nur zwölf Hundertstel vorne war.“ Für den zweiten Lauf griff der Südtiroler dann wieder zum Material aus dem Training und fuhr souverän zum Sieg. In der letzten Kurve hatte er mit einem Vorsprung von fast einer Sekunde sogar noch Zeit den Jubel der Zuschauer zu genießen: „Solche Rennen sollten wir öfter haben mit so vielen Zuschauern, das ist man fast nicht gewohnt, dass so viel los ist. Aber man sieht auch daran, dass es mit unserem Sport aufwärts geht.“ Der einzige Konkurrent, der Pigneter – zumindest im ersten Lauf – fordern konnte, war sein Südtiroler Teamkollege Rudi Resch. Er belegte zum zweiten Mal nach Latsch vor zwei Wochen den zweiten Platz: „Ich war ein bisschen besorgt, dass ich im zweiten Lauf zurückfallen könnte, weil die Strecke durch die Sonne weicher geworden ist. Mir liegt es von meinem Fahrstil mehr, wenn es eiskalt und hart ist, so wie im ersten Lauf.“ Er meisterte die Herausforderung jedoch perfekt und erzielte auch im zweiten Durchgang die zweitschnellste Zeit. Der spannendste Kampf dieses Bewerbes spielte sich jedoch hinter den beiden Italienern um den dritten Platz ab. Der lachende dritte Mann am Podest war schlussendlich Gernot Schwab (AUT), nach dem ersten Lauf noch zeitgleich mit Anton Blasbichler an fünfter Stelle gelegen, für den dieser Erfolg eine besondere Bedeutung hat: „Vor einem Monat bin ich genau auf dieser Strecke hier auf dem Bauch gelegen, heute stehe ich am Podest.“ Bei einem Trainingssturz hatte sich der Steirer am Knie verletzt (Einriss des vorderen Kreuzbandes und des Seitenbandes) weswegen er die Europameisterschaft in St. Sebastian (AUT) auslassen musste. „Ich hatte noch nie so viel Angst wie heute, mein Knie ist noch nicht stabil und bei den vielen Löchern durch die Sonneneinstrahlung hätte es mir jederzeit den Fuß fangen können. Eigentlich wollte ich nur heil herunterkommen. Aber ich habe gewusst welche Zeiten die anderen vorgelegt hatten, besonders Robert Batkowski und Anton Blasbichler, da war mir klar, dass ich voll angreifen musste. Ich habe alles auf eine Karte gesetzt und gewonnen.“ Endergebnis Damen (17): 1. Renate GIETL (ITA), 1:03,64(1), 1:03,43(2), 2.07,07 2. Ekatharina LAVRENTJEVA (RUS), 1:03,69(2), 1:03,42(1), 2:07,11 3. Evelin LANTHALER (ITA), 1:03,87(3), 1:03,57(3), 2:07,44 4. Melanie BATKOWSKI (AUT), 1:04,63(4), 1:04,48(4), 2:09,11 5. Melanie SCHWARZ (ITA), 1:04,84(5), 1:04,85(5), 2:09,69 6. Marlies WAGNER (AUT), 1:05,33(7), 1:04,86(6), 2:10,19 7. Alexandra OBRIST (ITA), 1:05,31(6), 1:04,95(7), 2:10,26 8. Olga SIDOROVA (RUS), 1:06,02(8), 1:05,31(9), 2:11,33 9. Michaela MAURER (GER), 1:06,34(10), 1:05,12(8), 2:11,46 10. Tina UNTERBERGER (AUT), 1:06,39(11), 1:05,94(10), 2:12,33 Endergebnis Herren (40): 1. Patrick PIGNETER (ITA), 1:02,36(1), 1:01,99(1), 2:04,35 2. Rudi RESCH (ITA), 1:02,48(2), 1:02,85(2), 2:05,33 3. Gernot SCHWAB (AUT), 1:02,89(5), 1:02,94(3), 2:05,83 4. Thomas KAMMERLANDER (AUT), 1:02,79(4), 1:03,20(6), 2:05,99 4. Anton BLASBICHLER (ITA), 1:02,89(5), 1:03,10(5), 2:05,99 6. Gerald KAMMERLANDER (AUT), 1:02,94(7), 1:03,07(4), 2:06,01 7. Alex GRUBER (ITA), 1:02,70(3), 1:03,75(11), 2:06,45 8. Robert BATKOWSKI (AUT), 1:03,28(10), 1:03,24(7), 2:06,52 9. Hannes CLARA (ITA), 2:06,67 10. Thomas SCHOPF (AUT), 2:06,79 11. Stefan GRUBER (ITA), 2.07,11 12. Georg MAURER (GER), 2:07,13 12. Michael SCHEIKL (AUT), 2:07,13 14. Kaj JOHNSON (CAN), 2:07,67 14. Jury TALYKH (RUS), 2:07,67 Weltcupstände (5/6): Damen: 1. Ekatharina LAVRENTJEVA (RUS) 455 2. Renate GIETL (ITA) 425 3. Melanie BATKOWSKI (AUT) 375 4. Evelin LANTHALER (ITA) 310 5. Marlies WAGNER (AUT) 267 6. Olga SIDOROVA (RUS) 200 7. Tina UNTERBERGER (AUT) 179 8. Veronika NACHMANN (GER) 178 9. Melanie SCHWARZ (ITA) 155 10. Ludmila ASTRAMOVISH (RUS) 148 13. Michaela MAURER (GER) 127 Herren: 1. Patrick PIGNETER (ITA) 440 2. Thomas SCHOPF (AUT) 332 3. Rudi RESCH (ITA) 313 4. Thomas KAMMERLANDER (AUT) 294 5. Anton BLASBICHLER (ITA) 271 6. Gernot SCHWAB (AUT) 246 7. Hannes CLARA (ITA) 224 8. Stefan GRUBER (ITA) 214 9. Gerald KAMMERLANDER (AUT) 202 10. Robert BATKOWSKI (AUT) 165 11. Michael SCHEIKL (AUT) 159 12. Kaj JOHNSON (CAN) 156 17. Björn KIERSPEL (GER) 115 Vollständige Ergebnislisten sind auf www.fil-luge.org unter Ergebnisse oder Veranstaltungen zu finden. Chris Karl FIL Media Service