Andrea Vötter/Marion Oberhofer – perfektes Doppel
Olympische Winterspiele 2026 zu Hause
Cortina (FIL/04.02.2026) Es war Liebe nach der ersten Fahrt. „Der neue Eiskanal in Cortina ist meine Lieblingsbahn“, sagt Andrea Vötter. Partnerin Marion Oberhofer erzählt, warum das so ist: „Es fängt am Start gut an, danach folgen große Kurven, in denen man selbst viel fahren muss.“ Die Voraussetzungen passen also für das italienische Damen Doppel.
Einen Heimvorteil bei den Olympischen Spielen in Mailand-Cortina d’Ampezzo hat sich Italiens Rodelteam durchaus geschaffen. Mehrmals nahmen sie im Weltcup eine Auszeit, um im Cortina Sliding Centre zusätzliche Trainingseinheiten zu absolvieren. Pro Tag waren das sieben bis acht Fahrten. „Wir können die Strecke im Schlaf runterfahren“, sagt Oberfrau Vötter.
Doch das Duo Vötter/Oberhofer kennt nicht nur alle Schlüsselstellen der neuen Bahn auswendig, sondern das Paar harmoniert auf dem Schlitten gut miteinander. Bereits seit vier Jahren rodeln die Zwei zusammen. Andrea Vötter erzählt, wie es zu dieser Paarung kam: „Als das Internationale Olympische Komitee das Damen Doppel ins Programm genommen hat, machte ich mir Gedanken, ob das etwas für mich wäre. Und ich habe nach jemandem Ausschau im Team gehalten, die zu mir passt. Da ich die Steuerfrau sein wollte, musste meine Partnerin kleiner und leichter sein.“ So viel die Wahl auf die fünf Jahre jüngere Marion Oberhofer. Die passt mit ihrer Körpergröße von 1,63 Meter gut zur 1,72 Meter großen Vötter. „So wie Marion ist, ist es wunderbar“, sagt Vötter und meint nicht nur die physischen Bedingungen, sondern auch ihren Charakter: „Marion ist ehrlich, spontan und witzig.“ Die spielt den Ball zurück: „Andrea ist lustig, ehrgeizig und wunderbar.“
Nachdem sie in der ersten gemeinsamen Saison auf Nummer sicher gingen und sowohl Einzel als auch Doppel fuhren, sind sie mittlerweile nur noch im Duo unterwegs. Mit durchaus beachtlichem Erfolg. In den Wintern 2022/23 und 2023/24 beendeten sie die Saisonen als Beste im Weltcup. Sechs Rennen haben sie bis dato gewonnen.
Wie in Italien Tradition, hat Andrea Vötter das Rodeln zunächst auf einer Naturbahn begonnen. „In meinem Heimatort Völs hat das eine große Tradition, da kommt auch der zwölffache Weltmeister Patrick Pigneter her“, berichtet Vötter, „erst als ich auf der Sportoberschule in Mals war, kam ich mit dem Kunstbahnrodeln in Kontakt.“ Ihr Traum von damals ging danach auf: „Weil das Kunstbahnrodeln olympisch ist, hatte ich die Hoffnung, dass ich das irgendwann in Vollzeit ausüben kann.“
Bei Marion Oberhofer ging’s direkt in den Eiskanal. „Ich bin in Meransen aufgewachsen“, erzählt sie, „da gibt es eine kleine Startanlage, die wir im Sportunterricht in der Grundschule nutzen durften.“ Weil’s ihr gefallen hat, blieb sie dabei. Gefördert wurde sie danach von Gerda Weißensteiner. Die Olympiasiegerin von 1994 und langjährige Nachwuchstrainerin in Südtirol nahm sie zuerst mit zum Training nach Imst (Österreich) und später auf viele andere Bahnen.
Beim Start gehören Vötter/Oberhofer immer zu den Schnellsten. Im Laufe der Fahrten verlieren sie jedoch häufig Zeit. „“Unsere Position auf dem Rodel ist unsere Schwäche“, sagt Vötter, „der Kopf ist nicht immer so flach, wie er sein sollte.“ Das Vertrauen in die Steuerfrau ist bei Oberhofer vorhanden. „Im Großen und Ganzen sieht Andrea schon, wo es hingeht“, sagt die Unterfrau und fügt mit einem Grinsen an, „aber Vertrauen ist gut, manchmal Kontrolle besser. „Schließlich sei sie es, die den direkten Kontakt zum Schlitten habe.
So gut Andrea Vötter und Marion Oberhofer auf dem Schlitten harmonieren, außerhalb des Rodel-Universums unternehmen die beiden Frauen nichts miteinander. Vötter, die mit ihrem Partner Kevin Fischnaller in Meransen zusammenlebt, trifft sich gerne mit Freundinnen, erklimmt im Sommer die Gipfel der Berge in den Dolomiten und betätigt sich, wenn sie Zeit hat, als Skilehrerin für ihre Patenkinder. Und spielt gerne Tennis. Da kommt Oberhofer auch wieder ins Spiel. „Mit Tennis hat mich Andrea angesteckt“, verrät sie.
Während für Andrea Vötter die Olympischen Spiele in Cortina bereits ihre vierte Teilnahme ist, ist es das Olympiadebüt für Marion Oberhofer. Die nimmt sich dafür vor, „nicht zu nervös zu sein und zwei gute Läufe runterzubringen“. Vötters Herangehensweise ist etwas Abgeklärter: „Natürlich ist bei Heim-Olympia Druck dabei, aber es ist auch etwas Schönes. Wir wollen 100 Prozent geben, damit wir uns hinterher nichts vorwerfen können.“ Für ihre Partnerin hat Unterfrau Oberhofer einen Wunsch: „Andrea ist langsam an einem Punkt angelangt, an dem sie schon mal ans Karriereende denkt. Deshalb sollte sie alles einfach noch genießen.“
Als Ziel haben die beiden für sich eine Medaille ausgegeben. Mit dem Schwung der zusätzlichen Trainingsfahrten in diesem Winter ist dies kein utopisches Ziel.





