Bots/Plume - mit fremder Hilfe und Selbstbewusstsein ins olympische Abenteuer

Rodel Herren Doppel: Olympische Winterspiele Mailand Cortina 2026

Bots / Plume, Beijing 2022

Cortina (FIL/10.02.2026) Martins Bots und Roberts Plume sind glücklich, dass sie erst im Jahr 2026 im Eiskanal von Cortina d’Ampezzo rodeln müssen. „Die alten Bahnkurven – die sind echt furchteinflößend“, sagt Plume und verzieht sein Gesicht, „die sind echt furchteinflößend. Außerdem sind die Schlitten jetzt bequemer und ich glaube auch sicherer als früher. Damals war es einfach nur ein holpriges Rutschen.“

Dass die Grundlage der Pista Olimpica Eugenio Monti eine alte Strecke sei, sei ein cooler Faktor, so der 25 Jahre alte Lette, der Eiskanal im Cortina Sliding Centre habe einen schönen Rhythmus sei anspruchsvoll. Er vergleicht sie mit den Bahnen in Pyeongchang und Peking. Aber Cortina sei nur ähnlich. „Letztlich ist sie doch einzigartig“, sagt Plume.

Einzigartiges wollen die beiden Letten auch bei den Olympischen Spielen erreichen. „Es gibt für uns nur ein Ziel: Wir wollen gewinnen“, erklärt Plume. Manchmal kämen bei ihnen zwar Zweifel auf, ob sie vielleicht zu sehr gewinnen wollten. „Denn wenn man etwas zu sehr will“, philosophiert Steuermann Bots, „erreicht man das gesteckte Ziel nicht. Wir müssen gelassener werden und versuchen es auch.“ Trotzdem bleibt ihr Ziel unumstößlich: Sie wollen Olympiasieger werden.

Martins Bots, Beijing 2022

Warum die beiden Letten so überzeugt von dieser Vision sind? Es ist ihr Blick vier Jahre zurück, zu den Olympischen Spielen Peking 2022. „Als wir zu unseren ersten Olympischen Spielen fuhren, wollten wir nichts Bestimmtes, sondern einfach nur dabei sein“, erklärt Bots. Dann lief es in Peking unerwartet gut. Ganz knapp schrammten sie als Vierte an den Medaillen vorbei. Jetzt soll’s mit Edelmetall klappen. Nicht nur in der Team Staffel, wie in Peking, als sie mit Eliza Tiruma, die mittlerweile ihre Karriere beendet hat, und Kristers Aparjods Bronze in der Team Staffel gewannen. „Wir haben hart für dieses Ziel gearbeitet“, sagt Plume, „wir haben mehr Erfahrung. Ich denke, dass wir gut aufgestellt sind, um das zu schaffen.“

Dass die Letten gut aufgestellt sind, daran hat auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit dem Programm „Olympische Solidarität“ einen gehörigen Anteil. In dem nun zu Ende gehenden Zyklus erhielten sie Unterstützung in Form eines Stipendiums. „Wir konnten Trainingslager absolvieren, dorthin Flüge buchen und in Hotels übernachten“, erklärt Plume, „das hat uns sehr geholfen. Vielen Dank dafür dass das IOC uns ausgewählt hat.“ Das Wichtigste allerdings ist der Fakt, dass sie ihren Schlitten verbessern konnten. Denn zu Beginn ihrer Doppel-Laufbahn hatten Bots/Plume ihre Schwierigkeiten, in den Schlitten zu passen. Denn die beiden Partner sind ähnlich groß. Obermann Bots ist mit 1,85 Meter gerade einmal drei Zentimeter größer als Untermann Plume. Der sagt ganz ehrlich: „Ich bin zu groß für einen Untermann.“ Doch weil ihnen die finanziellen Mittel gefehlt haben, mussten sie einen vorhandenen Schlitten nehmen. „All diese alten Schlitten waren für Untermänner gebaut, die klein waren“, erklärt Plume, „deshalb war es für mich sehr schwierig, in den Schlitten zu passen.“ In der Zwischenzeit ist dies behoben.

Team Relay Latvia, Beijing 2022

Mit acht Weltcupsiegen sind Bots/Plume von den Olympiastartern das zweitbeste Team. Unangefochten an der Spitze liegen die Deutschen Tobias Wendl und Tobias Arlt mit 60 Erfolgen. Vor deren Leistung haben die beiden Letten höchsten Respekt. „Die Tobis gehören zu den Besten in diesem Sport“, sagt Bots, „sie gehen auf die 40 Jahre zu und legen den schnellsten Start im ganzen Feld hin. Ich bin noch keine 38 und strenge mich total an, aber an deren Leistung kommen wir nicht ran.“ Die Stärke des lettischen Duos liegt in der Bahn. „Eine unserer Stärken ist unsere Aerodynamik“, erklärt Plume, „wir sind im unteren Bereich der Bahn richtig schnell und können hohe Geschwindigkeiten erreichen.“

Bots/Plume sind in der lettischen Mannschaft die Nachfolger von Andris und Juris Sics. Die Brüder haben bei Olympischen Spielen Silber (2014) und Bronze (2010) gewonnen. Bis zu deren Rücktritt nach den Olympischen Spielen 2022 „haben wir ihnen viele Fragen gestellt und sie haben uns viel beigebracht. Das war wirklich hilfreich“, so Plume. Andris Sics ist mittlerweile Technischer Direktor Kunstbahn beim Internationalen Rodelverband (FIL) und damit zur Neutralität verpflichtet. „Juris arbeitet im Lettischen Olympischen Komitee und unterstützt uns, wenn wir technischen Rat brauchen.“ Was für ein Glück, dass Martins Bots und Roberts Plume so spät geboren wurden.