Cesana Pariol, Italien. Fortsetzung der deutschen Erfolgsgeschichte im Rennrodeln der Damen. Nach 2002 sichert sich Sylke Otto zum zweitenmal in Folge olympisches Gold vor Silke Kraushaar und Tatjana Hüfner. Nur knapp geschlagen: Courtney Zablocki aus den USA auf Rang vier.

IOC-Vizepräsident Dr. Thomas Bach hatte seinen Tag bei den Olympischen Winterspielen in Turin offensichtlich mit Bedacht geplant: Nur wenige Stunden, nachdem er in San Sicario Sven Fischer zur Goldmedaille im Biathlon gratuliert hatte, erlebte er im benachbarten Cesana Pariol den Dreifach-Triumph der deutschen Rennrodlerinnen.

Sylke Otto, Olympiasiegerin 2002 in Salt Lake City, hatte bereits am ersten Tag die Basis für ihre Titelverteidigung gelegt und setzte auch am Dienstag ihren Triumphzug fort. Im dritten Lauf dominierte sie erneut, der entscheidende vierte Durchgang wurde jedoch noch einmal spannend: Nach einem nicht optimalen Start schrumpfte der Vorsprung bis zur letzten Kurven-Kombination auf acht Hundertstel Sekunden zusammen. Und bevor sie selbst die Anzeigetafel im Blick hatte, signalisierten ihr die nach oben gerichteten Daumen der vielen, vor allem deutschen Fans an der Bahn den neuerlichen Erfolg. Mit einer Gesamtzeit von 3:07.979 sicherte sie sich den Sieg und ist mit nun zwei olympischen Goldmedaillen und vier WM-Titeln die erfolgreichste Rodlerin aller Zeiten.

Silke Kraushaar, Goldmedaillengewinnerin 1998 in Nagano und härteste Konkurrentin von Otto im Kampf um den Titel, konnte zwar den Rückstand auf insgesamt 13 Hundertstel Sekunden verkürzen, Gold war der Teamkollegin jedoch nicht mehr streitig zu machen und so belegte sie mit einer Gesamtzeit von 3:08.115 Rang zwei.

Der Vorsprung von Tatjana Hüfner auf die Amerikanerin Courtney Zablocki hatten nach den ersten beiden Läufen hauchdünne vier Tausendstel Sekunden betragen. Schon im dritten Lauf konnte sie diesen auf 13 Hunderstel erweitern und legte im abschließenden vierten Durchgang erneut zu. Im Ziel betrug der Unterschied zwischen den beiden knapp vier Zehntel Sekunden. Damit komplettierte sie das deutsche Medaillen-Trio.

Zablocki, nach dem Ausscheiden der Ukrainerin Natalia Yakushenko und Anastasia Obertolz-Antonova aus Itaien am ersten Tag die einzige, die noch in die Medaillenvergabe hätte eingreifen können, mußte sich am Ende mit dem undankbaren vierten Platz begnügen. Zumindest blieb ihr jedoch der Triumph als weltbeste, nicht-deutsche Rodlerin.

Am Mittwoch steht zum Abschluss der Rennrodel-Wettbewerbe die Doppelsitzer-Konkurrenz auf dem Programm, die in zwei Läufen entschieden wird.

ZITATE

OTTO, Sylke (GER): Ich kann noch gar nicht richtig glauben, dass jetzt alles vorbei ist. Es ist einfach ein Traum. Salt Lake war schon schwer, aber dass ich es auf dieser schweren Bahn hier nochmal nach ganz oben schaffe, ist einfach Wahnsinn. Der letzte Lauf war zwar nicht rund, aber dreieinhalb Zehntel waren nicht weg – das spürt man als Rodler schon, und als die vielen Leute am Ziel mir dann noch eindeutige Zeichen gaben, war es klar. Ein olympisches Rennen werde ich nicht mehr fahren. Meine künftige Schwiegermutter hatte mir aus der Zeitung das Jahres-Horoskop ausgeschnitten und da stand drin, dass heute mein Glückstag ist – Wahnsinn, oder?

KRAUSHAAR, Silke (GER): Ich bin von drei Zehnteln bis auf acht Hundertstel an Sylke herangekommen – da hat man natürlich schon nochmal einen kleinen Funken Hoffnung. Aber es war mir eigentlich klar, dass Sylke das durchziehen wird. Wenn es im ersten Lauf besser gelaufen wäre, wäre alles drin gewesen, aber es ist nicht zu ändern. Ich bin froh, dass ich auf dem Podest gestanden habe – ich war jetzt dreimal dabei, habe drei Medaillen und darauf kann man sehr stolz sein. Das war definitiv mein letztes olympisches Rennen, aber ich habe mir noch keine Gedanken gemacht, wie es jetzt weiter geht. Dass ich gleich ganz aufhöre, ist eher unwahrscheinlich.

HUEFNER, Tatjana (GER): Es ist gigantisch, eine Bronzemedaille bei den ersten olympischen Spielen zu gewinnen, wo ja die Teilnahme allein schon ein Traum war... Man versucht sich immer einzureden, dass es ein Rennen ist, wie jedes andere, aber es ist schon etwas ganz Besonderes. Vor dem letzten Lauf war ich schon aufgeregt, aber ich habe versucht, das Drumherum so gut wie möglich auszublenden – die ganzen Kameras, die Sprechchöre, die vom Ziel her zum Start dröhnen – und den Lauf so gut wie möglich runter zu bringen. Der Lauf war gut, und als ich ins Ziel kam, war ich relativ sicher, dass es gereicht hat.

ZABLOCKI, Courtney (USA): Ich bin glücklich über meine Platzierung, aber auch ein wenig enttäuscht – ich habe alles gegeben, um eine Medaille zu gewinnen. Es schmerzt schon fast, so nah dran zu sein und es trotzdem nicht zu schaffen. Ich weiß nicht, wie wir die Deutschen bezwingen können. Die beiden Silkes sind nun schon so lange erfolgreich, aber auch wenn sie abtreten, kommen viele Deutsche nach. Wir geben nicht auf, vielleicht können wir sie ja doch eines Tages bezwingen Es gibt einige, die auch jetzt schon zumindest nah herankommen können.

Foto (c) Nancie Battaglia

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