Wenn du auf Cortina zurückblickst: Welche Gefühle und Gedanken kommen in dir hoch?

Es war eine unglaublich intensive Zeit – aber genau das hat sie so wunderschön gemacht. Wir haben uns mit unzähligen Trainingsläufen auf der Bahn vorbereitet, und die Vorfreude war riesig. Erstens, weil wir endlich eine eigene Bahn hatten, auf der wir trainieren konnten. Und zweitens – und das war für mich persönlich ganz besonders – weil ich dieses große Rennen vor Familie und Freunden bestreiten durfte. Als italienischer Rodler war das lange ein Traum, den du dir nicht vorstellen konntest, weil es einfach keine Heimbahn gab. Die Fans, der gesamte Staff, alle waren voll dabei – das war einfach unvergesslich. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Wie schätzt du die Leistung der Organisatoren rund um die neue Bahn ein?

Man hat wirklich gesehen, wie viel Arbeit und wie viel Leidenschaft dahintersteckt. Der Bahnbau lief sehr kurzfristig, aber die Verantwortlichen haben eine außerordentliche Leistung vollbracht. Wir waren einfach glücklich, dort antreten zu können. Natürlich war nicht alles perfekt – die Umkleide war manchmal etwas unordentlich, und rund um die Bahn gab es einiges an Matsch – aber das stand für uns nicht im Vordergrund. Für uns zählte die Bahn selbst. Und die war wirklich top. Die Rennen haben super funktioniert, und am Ende haben wir mehr als zufrieden den Daumen nach oben gestreckt.

Was hat dich von den sportlichen Leistungen her am meisten beeindruckt?

Ehrlich gesagt war es unser eigenes Team. Durch die vielen Trainingsläufe und den Heimvorteil haben wir wirklich außergewöhnliche Leistungen gezeigt – und das war auch notwendig, denn der olympische Druck ist enorm. Wir waren auf der Linie sehr sicher unterwegs, haben mehr riskiert als sonst und wussten genau, wie wir die Kufen stellen müssen. Das Mannschaftsergebnis war am Ende überraschend gut – aber im besten Sinne überraschend. Und die Staffel hat mich persönlich am meisten beeindruckt.

Was soll die Zukunft bringen – für die Bahn, für den Rodelsport und für dich?

Für die Bahn hoffe ich natürlich, dass sie weiterhin intensiv genutzt wird. Ich glaube nicht, dass das eine Frage ist – das wird passieren. Was ich mir besonders wünsche, ist eine verstärkte Investition in den Nachwuchs: dass neue Rodler, neue Bob- und Skeleton-Athleten heranwachsen, dass alle drei Disziplinen in Italien aufgebaut werden und wir uns in der Mannschaft gegenseitig pushen und weiterkommen.

Für den Rodelsport als Ganzes ist das Ziel, ihn weiter populärer zu machen. Cortina hat gezeigt, dass das möglich ist – die Rennen waren mitreißend, die Emotionen waren enorm. Auf diesem Momentum sollte man aufbauen: mehr Spannung, mehr Unvorhersehbarkeit, mehr Leidenschaft nach außen.

Und für mich persönlich? Die letzte Saison war gut – mein erster Weltcup-Podestplatz in Park City, eine starke Olympia-Leistung. Das gibt mir enormes Vertrauen. Ich bin noch lange nicht am Ende. Die Devise ist: hart weiterarbeiten, den Start verbessern, aus dem Schlitten noch das letzte Hundertstel herausholen. Und das alles mit Freude am Sport – denn das ist das Wichtigste. Solange mir das Rodeln Freude macht, bin ich mit Vollgas dabei. Und ich bin überzeugt: Weitere Podestplätze werden kommen.

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Leon Felderer, geboren am 30. Januar 2000 in Latzfons in Südtirol, ist einer der aufregendsten Nachwuchsrodler Italiens – und weit mehr als nur ein Athlet. Der 26-Jährige bestritt seine ersten Olympischen Spiele 2022 in Peking und kehrte vier Jahre später in Cortina auf heimischem Eis zurück, wo er den siebten Platz belegte. In der Saison 2025/26 feierte er mit Platz drei in Park City seinen ersten Weltcup-Podestplatz. Abseits der Bahn engagiert er sich als Vorsitzender der FIL-Athletenkommission für bessere Bedingungen und faire Anerkennung im Weltrodelsport.

Leona Felderer, Altenberg 2026