Ein Olympiasieger, der keine Pause kennt
Am 8. Februar 2026, kurz nach 18 Uhr auf der Rennschlittenbahn von Cortina d'Ampezzo, streckte Max Langenhan die Arme aus und weinte. Vier Läufe, vier Bahnrekorde, eine halbe Sekunde Vorsprung – also eine Ewigkeit – auf den Zweitplatzierten. Er war Olympiasieger, und es war das erste Gold für Deutschland bei diesen Spielen. „Ich habe mit 26 Jahren alles erreicht, was ich erreichen wollte", sagt er heute. „Und das im Jahr 2026. Das musste wohl so sein." Sätze, die nach Abschluss klingen – und die es dennoch nicht sind.
Der Mann, der Ziele braucht
Nach Cortina dachte Langenhan ans Aufhören. Er gibt es offen zu, und er denkt zurück, wie großartig das Gefühl war, dort zu triumphieren, vor den Augen seiner Familie und Freunde, seiner Sponsoren und Förderer, vor allen, die ihn begleiten in seiner herausragenden Rodlerkarriere. Aufhören, wenn es am Schönsten ist, heißt es so oft, und Langenhan wollte Abschied nehmen. Es waren seine Ratgeber und Mentoren, die ihn von seinen Ideen abbrachten und ihn überzeugten, nicht überredeten, weiterzumachen. „Ich bin einer, der auf Ziele hinarbeitet und Ziele braucht", sagt er. „Gibt es nach dem Olympiasieg keine Ziele mehr?", fragt er – aber es ist eine rhetorische Frage, die er selbst gleich beantwortet: „Ziele kann man ja immer finden." In seiner Stimme schwingen weder Sentimentalität noch Routine mit. Da spricht ein Athlet, der genau weiß, wie er funktioniert.
Langenhan hat die neuen Ziele bereits gefunden. Die Weltmeisterschaften im Februar 2027 in Innsbruck-Igls stehen beispielsweise ganz oben auf der Liste. „In Innsbruck suche ich noch den perfekten Lauf", sagt Langenhan. „Auf alle anderen Bahnen komme ich sehr gut zurecht." Auf einer der traditionsreichsten Rodelbahnen der Welt, in Tirol, dort, wo der Sport 1964 sein olympisches Debüt feierte, hat der sechsfache Weltmeister noch eine Rechnung zu begleichen. Wenn das kein Ziel ist! „Ich hoffe, dass es in Innsbruck-Igls ein grandioses Fest wird", sagt er, und fügt überzeugt hinzu: „Die Österreicher werden da sicher ein gigantisches Event auf die Beine stellen."
Was Cortina so besonders macht
Bevor der Blick nach vorne geht, lohnt einer zur Seite – zu den Bergen rund um Cortina. Wenn Max Langenhan von diesen Olympischen Spielen erzählt, spricht er nicht zuerst von den vier Bahnrekorden oder dem Gold. Er spricht vom Ort. „Seit den Homologierungsläufen hatte ich dort ein sehr gutes Gefühl", sagt er. „Die Menschen dort sind so freundlich und zuvorkommend und interessiert. Sie haben in so kurzer Zeit so viel auf die Beine gestellt. Und dann liegt diese Bahn perfekt eingebettet zwischen den Bergen. Das Essen, der Ort – alles ist nahezu so perfekt dort." Er freut sich auf den Weltcup in Cortina im Februar 2027. “Einfach klasse, dass wir so schnell wieder dort sind, und das hoffentlich jetzt jedes Jahr."
Der Mann im Hintergrund
Olympiasiege werden nicht allein vollbracht. Einer der wichtigsten Menschen in Langenhans sportlichem Alltag ist Robert Eschrich – Schlittenbauer und Techniker des deutschen Nationalteams, in Suhl geboren, selbst ehemaliger Rodler und Bobfahrer. Im Sommer heißt das für Langenhan: Training und Rodelbau. „Robert ist der Ansprechpartner, wenn es um das Material geht – es müssen ja sehr viele vom Reglement geforderte Neuerungen integriert werden. Sehr viel wird von ihm gemacht, aber wir stehen in einem ständigen Dialog", sagt Langenhan. Geschwindigkeit entsteht nicht nur auf dem Eis. Sie entsteht im Gespräch, in der Werkstatt, im Detail. Eschrichs Schlitten fahren nicht nur Langenhan – auch Julia Taubitz vertraut auf sein Handwerk, und die Schweizerin Natalie Maag sagte einmal: „Ohne diese Partnerschaft wäre ich nicht dort, wo ich jetzt bin."
Der 50. Weltcup, ein monatelanges Fest
Der kommende Winter trägt einen besonderen Charakter: Es ist die 50. Saison im FIL-Weltcup. Gerodelt wird auch in Cortina und Königssee, während Innsbruck den WM-Austragungsort gibt – drei ikonische Schauplätze, die diesem Jubiläumswinter eine historische Dimension verleihen. „Das sind Rennen, auf die ich mich besonders freue", sagt Langenhan.
Was nach dem Sport kommt, wenn der Olympiasieger von Cortina eines Tages dann doch Abschied nehmen wird? Viele Türen stehen offen, nichts ist entschieden – mehr dazu will er nicht sagen. „Aber an Zielen wird es auch dann nicht fehlen."
Das hätte man sich denken können.




