Felix Loch – der Dauerbrenner

In Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele Mailand Cortina 2026

Felix Loch, Beijing 2022

Berchtesgaden (FIL/26.01.2026) Er rodelt und rodelt und rodelt. Felix Loch denkt auch mit 36 Jahren noch lange nicht ans Aufhören. „In zwei Jahren finden die eine Weltmeisterschaften bei uns am Königssee statt“, sagt der Deutsche, „das ist natürlich sehr, sehr interessant.“ Dann wäre er 38 Jahre alt. Aus der heutigen Perspektive denkt er einfach mal laut: „Am Ende wären es dann nur noch zwei Jahre bis zu den nächsten Olympischen Spielen.“

Diese Gedankenspiele erwecken geradezu den Eindruck, Felix Loch ist mit seiner Karriere noch nicht im Reinen. Dabei ist er hochdekoriert: Bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver gewann er als jüngster Rodler die Goldmedaille. 2014 wiederholte er diesen Triumph, zusätzlich gehört er der deutschen Staffel mit Nathalie Geisenberger sowie Tobias Wendl und Tobias Arlt an, die diesen erstmals ausgetragenen Wettbewerb für sich entscheiden konnte. Insgesamt sieben Weltmeistertitel im Einzel stehen auf seiner Erfolgsliste – Rekord. 55 Weltcuprennen hat er als Erster beendet. Die Marke von 57 Siegen von Rekordhalter Armin Zöggeler (Italien) ist in greifbarer Nähe. Siebenmal triumphierte er im Gesamtweltcup.

Doch der 1,91 Meter große Modellathlet kennt auch die Schattenseiten. Bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang führte er nach drei Durchgängen souverän. Er musste eigentlich den vierten Lauf nur fehlerfrei absolvieren. Was ihm wegen eines Fahrfehlers in Kurve neun nicht gelang. Statt als strahlender Sieger mit dem goldenen Hattrick mit Georg Hackl gleichzuziehen, verpasste er auf dramatische Weise noch das Podest. "Es waren drei gute Läufe und halt einer dabei, der scheiße war", analysierte Loch seine Vorstellung in Südkorea, "aber das ist Sport und gehört mit dazu. Man kann nicht immer nur ganz oben stehen." Bei den Spielen 2022 fuhr Loch von Beginn an nicht in Medaillenform.

Felix Loch, Beijing 2022

Lange hatte der erfolgsverwöhnte Rodler am Malheur von Peongchang zu knabbern. Als er 2019 in Winterberg Weltmeister wurde, war dies für ihn eine richtig gehende Erlösung. Er bekannte danach, dass das einer seiner wichtigsten Siege gewesen sei. Trotzdem war die Überlegenheit des jungen Felix Loch dahin. Fast zwei Jahre gewann der frühere Dauersieger kein Weltcuprennen. Seine Karriere schien allmählich auszutrudeln. Jüngere wie sein Teamkollege Max Langenhan oder der Österreicher Jonas Müller waren meist schneller.

In dieser Saison jedoch hat Felix Loch wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden. In Winterberg gewann er den Saisonauftakt, danach folgten noch zwei weitere Siege in Lake Placid und Sigulda. „Dass die Saison so gut losgeht, hätte ich nicht erwartet“, sagte Loch, das Gefühl sei aber schon ein anderes gewesen in der Vorbereitung: „Dieses Wohlfühlen auf dem Schlitten war direkt da, und das ist über die Jahre immer wichtiger geworden für mich.“ Man habe im Sommer wohl „doch einiges richtig gemacht“. Ein Grund dafür ist wohl auch, dass sich sein Vater Norbert Loch nach seinem Rücktritt als Bundestrainer wieder gezielt der Arbeit mit dem Filius widmen kann.

Daneben hat der Tüftler intensiv an seinem Schlitten gearbeitet. „Da haben wir den einen oder anderen Schritt gemacht“, deutet er mehr vage an als er konkret zugibt. Für den Start habe er sich weniger auf Krafttraining konzentriert, sondern die Technik in den Fokus gerückt. Mit Erfolg: Nicht nur in der Bahn, auch schon am Start ist der Deutsche in diesem Winter regelmäßig ganz vorne dabei.

Wie in früheren Jahren wird der Name Felix Loch als Erster genannt, wenn es um die Favoriten bei den Herren geht. Mit den Bestzeiten bei den Trainingswochen vor Saisonbeginn hat er schon einmal ein entsprechendes Ausrufezeichen gesetzt. „Mir taugt die Bahn sehr sehr gut“, bekennt er, „es hat auf Anhieb sehr gut funktioniert.“ Er selbst sagt lediglich, „dass ich um die Medaillen mitfahren will“.

Seine sportliche Wiedergeburt sei auch gar nicht so dramatisch, meint Loch. „Es freut mich aber schon, dass ich dem ein oder anderen zeigen kann, dass ich doch noch rodeln kann.“ Und wie sieht es im Kopf des Rekordweltmeisters aus? „Ich selber habe mir nie Gedanken gemacht, dass ich das nicht mehr kann.“ So lange sein Körper mitmache und er Spaß habe, werde er weitermachen. Deshalb rodelt Felix Loch und rodelt und rodelt.

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