Gangwon 2024

Fokus YOG: Wenn Jugend-Träume Olympia-Gold werden

Es gibt Momente im Sport, die sich erst Jahre später in ihrer vollen Bedeutung zeigen. Ein Teenager auf einer vereisten Bahn, in der Szene längst ein Name - und dann, irgendwann, steht dieselbe Person auf dem Podest der Olympischen Spiele.

Genau das ist das Versprechen der Olympischen Jugend-Spiele (YOG): nicht nur ein Wettkampf zu sein, sondern ein Anfang. Der erste Schritt auf dem langen Weg nach oben. Und der Rodelsport hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen, wie ernst dieses Versprechen zu nehmen ist.

Innsbruck 2012: Der erste Akt

Als im Februar 2012 auf der traditionsreichen Rodelbahn Innsbruck-Igls die ersten YOG-Rodel-Entscheidungen fielen, war das Feld gespickt mit Talenten, die in ihren Heimatverbänden schon für Aufsehen gesorgt hatten. Auf derselben Bahn, auf der 1976 Olympia-Geschichte geschrieben worden war, bekamen diese Nachwuchsathleten nun ihre erste Kostprobe vom olympischen Wettkampf auf internationalem Niveau.

Zwei Namen aus jenem Winter stehen stellvertretend für die Qualität dieses Jahrgangs: Summer Britcher und Tucker West aus den USA gewann Gold. Britcher entwickelte sich zur konstantesten Athletin im amerikanischen Lager, kämpfte über viele Jahre im Weltcup und bestritt mehrere Olympische Spiele. West, der schon damals durch seinen technisch ausgefeilten Stil überzeugte, wurde zu einem der erfahrensten Herren-Rodler seines Landes.

Das Fundament, das in Innsbruck gelegt wurde, trug beide weit über 2012 hinaus.

Doch der vollständigste Kreis aus diesen Spielen führt zu einem Südtiroler: Simon Kainzwaldner gewann in Igls Gold im Doppelsitzer - gemeinsam mit Florian Gruber. Vierzehn Jahre später, bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Cortina d’Ampezzo, stand Kainzwaldner erneut ganz oben auf dem Podest: Gold im Doppelsitzer, diesmal an der Seite von Emanuel Rieder. Und wer genau hinschaut, entdeckt noch eine Verbindung: Im Mixed Relay von Innsbruck 2012 war auch Andrea Vötter dabei - dieselbe Andrea Vötter, die 2026 gemeinsam mit Marion Oberhofer Olympia-Gold im Doppelsitzer der Frauen holte. Innsbruck 2012 war nicht nur ein Wettkampf. Es war eine Bühne für eine ganze Generation.

Lillehammer 2016: Der Jahrgang der Champions

Wenn man eine einzige YOG-Ausgabe herausgreifen müsste, die im Rodeln besonders viel versprochen - und dieses Versprechen eingelöst - hat, dann wäre es Lillehammer 2016. Die Teilnehmerliste liest sich heute wie ein Who’s who des internationalen Weltcup-Zirkus.

Kristers Aparjods aus Lettland triumphierte im Einzel der Männer und etablierte sich in den Folgejahren als einer der konstantesten Fahrer auf der Weltcup-Tour. Hannes Orlamünder aus Deutschland gewann mit Deutschland Team-Staffel-Gold - und zählt heute zu den besten Doppelsitzern der Welt: 2025 holte er gemeinsam mit Paul Gubitz in Whistler den Titel des Doppel-Weltmeisters. Und aus Österreich reiste eine 17-Jährige nach Norwegen, die in der Szene bereits als eines der größten Versprechen ihrer Generation gehandelt wurde.

Ihr Name: Madeleine Egle.

Was folgte, bestätigte jede Erwartung. Egle - die in Lillehammer Bronze im Einzel gewonnen hatte - entwickelte sich zur dominierenden Kraft im Weltcup der Frauen und holte im Verlauf ihrer Karriere gleich zwei Olympia-Medaillen.

Lausanne 2020 und Gangwon 2024: Die nächste Welle

Das Staffelholz liegt in den Händen der nächsten Generation. Bei den YOG 2020 in Lausanne (Rennen in St. Moritz) und 2024 in Gangwon haben wieder junge Athletinnen und Athleten auf sich aufmerksam gemacht - in der Szene bereits registrierte Namen, die im breiten Publikum noch ankommen müssen, auf der Weltcup-Tour aber schon Konturen gezeigt haben.

Das ist das Wesen des YOG: Es macht sichtbar, wen man sich merken sollte.

Dolomiti Valtellina 2028: Die Besten der Besten von morgen

Und nun steht es definitiv fest: Das nächste Kapitel dieser Geschichte wird in den Dolomiten und im Veltlin aufgeschlagen. Mit der offiziellen Bestätigung der Olympischen Jugend-Spiele 2028 in Dolomiti Valtellina bekommt die nächste Generation junger Rodel-Talente ihre Bühne - in einer der schönsten und traditionsreichsten Wintersportregionen Europas. Ausgetragen werden die Wettbewerbe dabei auf der Pista Olimpica Eugenio Monti, kurz POEM - auf derselben Anlage, auf der 2026 Kainzwaldner und Oberhofer ihren Olympia-Triumph gefeiert hatten. Die YOG 2028 bringen zudem eine Neuheit mit sich: Mixed Singles Luge feiert sein Debüt.

Das Qualifikationssystem für Dolomiti Valtellina 2028 wurde bereits offiziell genehmigt

. Die Anforderungen sind klar: Wer dabei sein will, muss bereits in dieser Saison 2026/27 auf der internationalen Rennbahn zeigen, was in ihm bzw. in ihr steckt — und den Beweis auf der olympischen Trainingsstrecke antreten.

Der Startschuss für die YOG 2028 fällt früher, als viele denken.