Forgan/Kirkby – gegensätzliche Typen auf einem Schlitten
US Damen Doppel bei den Olympischen Winterspielen Mailand Cortina 2026
Cortina (FIL/09.02.2026) Sophia Kirkby hat sich gut auf die Olympischen Spiele in Cortina d’Ampezzo vorbereitet. Speziell fürs Olympische Dorf. Mehr als 2000 Pins hat die Rodlerin aus den USA getöpfert. Etwa 200 davon wird sie in ihre Taschen packen, mit denen sie nach Cortina reisen wird. „Damit habe ich etwas Besonderes zum Tausch mit den anderen Athleten“, sagt die 24-Jährige, die in der Nähe von Lake Placid aufgewachsen ist. Dazu kommen noch Ohrringe sowie Espresso- und Cappuccino-Tassen für das US-Betreuerteam. Mit Basteln und Arbeiten mit Porzellan im Lake Placid Center of Arts beschäftigt sich die 24-Jährige, wenn sie gerade nicht im Training oder auf Wettkampfreise ist.
„Sophia ist die Geschäftsfrau bei uns“, erklärt Chevonne Forgan. So plant Kirkby, ein Unternehmen namens Sophie’s Ceramics and Services zu gründen. Und welche Hobbies hat Forgan? „Die sind nicht so aufregend“, sagt sie und lacht herzhaft. Sie bezeichnet sich mehr als Outdoortyp, mag lange Spaziergänge und Wanderungen, bei denen sie auch Vögel beobachtet. „Das ist sehr entspannend“ erklärt sie. Dass sie sich gerne in der Natur aufhält, habe aber nichts mit ihrer Herkunft zu tun. Im Sommer 2000 war sie in Adelaide (Australien) auf die Welt gekommen. Mit elf Jahren siedelte Familie Forgan in die USA um, weil der Vater einen neuen Job angetreten hat.
Das Doppel Chevonne Forgan/Sophia Kirkby gibt es seit 2020. „Unsere Trainer hatten die Idee“, erzählt Oberfrau Forgan. Mit ein Grund war der Größenunterschied der beiden, die davor schon jeweils zehn Jahre solo gerodelt waren. Forgan ist 1,80 Meter groß, Kirkby 1,63. Forgan berichtet: „Schon bei der ersten Fahrt hatten wir so viel Spaß, dass wir entschieden haben, weiterzumachen. Und es hat weiter Spaß gemacht.“
Die Freude hat natürlich auch deswegen angehalten, weil sich Erfolge einstellten. Bei den Weltmeisterschaften 2022 in Winterberg und 2024 in Altenberg holten sich die US-Girls jeweils die Bronzemedaille. 2024 gab’s zusätzlich Silber in der Team Staffel. Und ganz aktuell natürlich die Qualifikation für die Olympischen Spiele. „Wir sind so glücklich, dass wir das geschafft haben“, sagt Forgan geradezu euphorisiert, „unser nächstes Ziel sind zwei gute, gleichmäßige und saubere Läufe zu fahren.“ Zu was es dann am Ende reicht? „Eine gute Frage“, sagt Forgan. Weil es eine Bahn in Italien ist und das italienische Team für Trainingscamps in Cortina im Weltcup mehrmals pausiert hat, räumen sowohl Chevonne Forgan wie auch Sophia Kirkby den Italienerinnen Andrea Vötter und Marion Oberhofer gute Chancen ein. Aber auch dem deutschen Doppel Dajana Eitberger/Magdalena Matschina wie auch den Weltmeisterinnen Selina Egle und Lara Kipp aus Österreich trauten sie viel zu. „Auf sie muss man auf alle Fälle achten“, sagen beide unisono. Um schnell zu ergänzen: „Und hoffentlich auch auf uns. Wir werden unser Bestes geben.“
Meistens beginnen die Rennen sehr gut. Denn das Doppel Forgan/Kirkby gehört zu den besten Startern. „Die Art, wie wir auf dem Schlitten zusammenarbeiten, macht uns auch stark“, erklärt Kirkby, „dass wir nach der langen gemeinsamen Zeit wissen, wie wir zusammenarbeiten müssen, hilft uns.“
Von klein auf war Sophia Kirkby ein Leben am Eiskanal gewohnt. „Mein Vater fuhr Bob und er hat mich zum Rodeln gebracht“, berichtet die Unterfrau. Nach Eiskunstlauf und alpinem Skifahren. „Mit sieben Jahren habe ich bei einem Sommer-Rodeltrainingslager zugeschaut“, erzählt sie, „die hatten Räder statt Kufen an den Schlitten und sind die Straße runtergefahren.“ Aus purer Neugierde habe sie es ausprobiert und sofort Spaß daran gefunden. Im Winter ging’s dann aufs Eis. Da war sie noch zu jung zum Bobfahren. Und später war’s kein Thema mehr. Zumal Kirkbys Vater 2024 gestorben war. Sollte sie in Cortina eine Medaille gewinnen, dann werde sie ihrem Vater widmen. Ihre Partnerin Chevonne Forgan wird kräftig mithelfen, diesen Wunsch zu erfüllen.





