Heimspiele für Südtiroler Rodler

Rodeln: Olympische Winterspiele Mailand Cortina 2026

Dominik Fischnaller, Beijing 2022

Cortina (FIL/27.01.2026) Italien kann im Rodeln auf eine erfolgreiche Bilanz bei den Olympischen Spielen schauen. Siebenmal Gold, viermal Silber und siebenmal Bronze weist die Statistik auf. Macht Platz zwei hinter den übermächtigen Schlittenfahrern aus Deutschland (38/36/23) und vor Österreich (6/10/9). Wobei alle Medaillengewinner aus Südtirol kamen.

Ob diese Platzierung auch nach den Spielen in Mailand/Cortina d’Ampezzo noch ihre Gültigkeit haben wird, ist eher fraglich. Die Stärke des österreichischen Teams lässt vermuten, dass sie am Team Italia vorbeiziehen werden. „Zwei Medaillen sind unser Ziel“, sagt Armin Zöggeler, Technischer Direktor des italienischen Rodel-Teams.

Zu seiner aktiven Zeit hat der 52-Jährige einen nicht unerheblichen Beitrag zu dieser Bilanz beigesteuert. Sechsmal hat er an Olympischen Spielen teilgenommen, jedes Mal hat er eine Medaille nach Hause nehmen können: Zweimal wurde er Olympiasieger (2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin), eine Silbermedaille holte er bei den Spielen 1998 in Nagano. Ergänzt wird diese Sammlung durch drei Bronzemedaillen 1994, 2010 und 2014. Seine olympischen Erfolge plus zehn Gesamtweltcupsiege sowie sechs Weltmeistertitel katapultierten den Rodler in die Riege der größten italienischen Wintersportler. Seine Aufnahme in die Hall of Fame der FIL erfolgte 2019.

In Lillehammer wurde Gerda Weißensteiner Olympiasiegerin. Nach Erica Lechner, die 1968 in Grenoble gewonnen hatte, war sie erst die zweite Italienerin überhaupt, die Olympiasiegerin im Rodeln wurde. Und die 57-Jährige ist bis dato die letzte Siegerin, die nicht aus Deutschland kam. Für die Athletin, die 2006 noch im Bob Bronze gewann, grenzt dieser Erfolg immer noch an ein Wunder. „Ich hatte mit allen Handicaps zu kämpfen, die man sich nur vorstellen kann“, sagt sie im Rückblick. Mit 64 Kilogramm sei sie sehr leicht gewesen, weshalb sie 14 Kilogramm Zusatzgewicht „zuladen“ durfte. „Und wir hatten ja keine Bahn zum Trainieren.“ Sie seien ständig umhergereist: Innsbruck-Igls, Königssee, Oberhof und Altenberg.

Hansjörg Raffl war mit seinem langjährigen Partner Norbert Huber 1990 Weltmeister in Calgary geworden. Danach gewann das Duo zwei olympische Medaillen - 1992 in Albertville Bronze, zwei Jahre später in Lillehammer Silber. Vor ihnen konnten sich Kurt Brugger und Wilfried Huber platzieren. Gold und Silber also für Italien im Doppelsitzer in Lillehammer 1994.

Andrea Vötter, Italien, Beijing 2022

Legendär sind die Erfolge eines anderen Doppelspezialisten. Paul Hiltgartner gewann 1972 in Sapporo mit seinem Partner Walter Plaikner Gold. Gemeinsam mit dem DDR-Duo Horst Hörlein und Reinhard Bredow standen sie auf dem obersten Podest. Für beide Doppel war in den beiden Durchgängen eine Laufzeit von 1:28,35 Minuten gestoppt worden. Mit den Tausendstelsekunden, die heutzutage gemessen werden, ist ein Doppelsieg kaum noch denkbar. Auch der dreifache Weltcupsieger Ernst Haspinger, Weltmeister von 1971 und dreimaliger Weltcupsieger, prägte die Geschichte des Rodelns in Italien maßgeblich.

Begonnen haben die verschiedenen Karrieren nicht im Eiskanal, sondern beim Naturbahnrodel. Oder Alpine Luge, wie es jetzt heißt. „Das Schlittenfahren hat in Südtirol eine lange Tradition“, erläutert Weißensteiner, „früher hat man damit Heu und Baumstämme ins Tal transportiert, erst später wurde es eine Möglichkeit der Freizeitgestaltung. Nicht nur für Weißensteiner und die Südtiroler Rodelkollegen aus dem 20. Jahrhundert begannen ihre Karrieren auf diese Art. „Viele Athleten kommen immer noch von der Naturbahn“, erklärt Zöggeler, „viele steigen dann mit 13 oder 14 Jahren um.“ So wie auch Dominik Fischnaller, Gesamtweltcupgewinner 2022/23 und die anderen aktuellen Medaillenhoffnungen der Italiener für Mailand Cortina 2026.

„Wichtig ist, dass die Olympischen Spiele in Cortina stattfinden“, sagt Sportfunktionär Armin Zöggeler, „viel wichtiger aber ist, dass die Bahn neu aufgebaut wurde und wir international dabei sein können.“ Dazu hat in den vergangenen 20 Jahren auch Gerda Weißensteiner ihren Beitrag als Nachwuchstrainerin geleistet. Auch ohne Bahn, verkündet sie stolz, habe sie immer viele Nachwuchsathleten gefunden. Und dann nennt sie drei Namen: Marion Oberhofer, Verena Hofer und Dominik Fischnaller. Dieses Trio vertritt in Cortina die Farben Italiens. Und versucht Südtirols Bilanz zu verbessern.