Innsbruck-Igls 2027: „Das ist gelebte Legacy“

Einars Fogelis, WM Eröffnung

Im Zielgebäude der Rodelbahn Innsbruck-Igls war die Stimmung bei der Pressekonferenz von Rodel Austria spürbar: Vorfreude, Respekt vor der Aufgabe und das Bewusstsein, dass hier etwas Bleibendes entsteht. Drei Monate vor dem Startschuss zu einem Ereignis, das es in der Geschichte des Rodelsports noch nie gegeben hat, sprachen Sportlerinnen und Sportler, Funktionäre, Vertreter aus Politik und Tourismus über Erwartungen und Ziele. Neben FIL-Präsident Einars Fogelis mit dabei waren Wolfgang Kindl, Riccarda Ruetz, Markus Prock (Rodel Austria), LHStv. Philip Wohlgemuth, Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber, Matthias Schipflinger (Olympiaworld), Karin Seiler (Tirol Werbung) und Peter Paul Mölk (Innsbruck Tourismus).

Ein verlässlicher Partner

FIL-Präsident Einars Fogelis, seit 2020 an der Spitze der Fédération Internationale de Luge, machte in Innsbruck keinen Hehl daraus, was ihn an dieser Weltmeisterschaft begeistert - und warum der Standort Tirol für ihn mehr ist als nur ein Austragungsort. Die Frage nach den Gründen für die Vergabe beantwortet er ohne Umschweife: „Es ist kein Zufall, dass wir so gerne nach Tirol kommen. Die Kompetenz der Organisatoren, die Infrastruktur und das Publikum machen Innsbruck-Igls zu einem der besten Austragungsorte unseres Sports überhaupt.“ Innsbruck-Igls sei ein verlässlicher Partner — das sei seit Jahrzehnten so, und das habe sich im Vergabeprozess einmal mehr bestätigt.

Zugleich betont der Lette, dass diese Entscheidung keine Absage an andere Standorte gewesen sei. „Lake Placid ist ein ebenso starker Partner der FIL - und wird es bleiben.“ Der WM-Kalender der kommenden Jahre spreche für sich: 2028 Königssee, 2029 Lake Placid. Eine ausgewogene geografische Rotation liege im Interesse aller.“

Gelebte Legacy

Was diese Weltmeisterschaft von allen bisherigen unterscheidet, ist ihre Dimension: Erstmals in der Geschichte werden in beiden Sparten des Rodelsports zeitgleich und am selben Ort WM-Medaillen vergeben — Olympisches und Alpines Rodeln unter einem Dach, elf Medaillenentscheidungen an drei Renntagen am Fuße des Patscherkofels. Fogelis misst diesem Rahmen eine Bedeutung bei, die über den Sport hinausreicht: „Die Alpine Rodel WM findet auf einer Strecke statt, die 1964 olympische Geschichte geschrieben hat — und die andere auf der Bahn von 1976. Das ist gelebte Legacy.“

Doch das Symbolische geht für ihn noch weiter. Der FIL-Präsident sieht in der Doppel-WM den Ausdruck eines Gedankens, der die Arbeit des Verbandes seit Jahren leitet: „Rodeln ist keine Sportart mit zwei Welten — Rodeln ist eine Familie. Es beginnt mit Alpine Rodel in den Bergen, mit ein paar Freunden, auf einer natürlichen Strecke. Und es kann am Ende mit einer Olympiateilnahme vor den Augen der Weltöffentlichkeit münden.“ Eine starke Spitze brauche eine breite Basis. „Das ist kein Claim, sondern in der FIL gelebte Realität. Innsbruck-Igls 2027 ist der Beweis dafür.“

Die Herzensangelegenheit des Markus Prock

Dass diese Premiere überhaupt möglich wurde, ist wesentlich einer Person zu verdanken: Rodel Austria-Präsident Markus Prock, der die Vereinigung beider Rodel-Genres unter dem Dach einer gemeinsamen Weltmeisterschaft als Initiator vorangetrieben hat. Der Tiroler Ausnahmesportler, der in seiner aktiven Karriere 1987 in Innsbruck WM-Gold und zehn Jahre später Silber gewonnen hat, spricht von einer Herzensangelegenheit — und von einer Erinnerung, die nie verblasst: „Die WM 1987 war das emotionalste Rennen meiner gesamten Karriere. Im Auslauf hatten alle Tränen in den Augen, das vergisst man nie.“

Tirol als Rahmen

Die Rahmenbedingungen sind intakt. Der modifizierte Igler Olympiaeiskanal hat nach dem Umbau des unteren Streckendrittels die Pre-Homologierung erfolgreich bestanden; die neue Alpine Rodelbahn am Hang Richtung Heiligwasser wird Anfang Dezember homologiert. Lokalmatador Wolfgang Kindl (2007 und 2017 bei der WM dabei) geht in seine 20. Weltcupsaison und könnte in bis zu fünf Disziplinen mit dabei sein. Sein Fokus ist klar: „Daheim eine WM zu gewinnen ist unglaublich. Ich weiß, was mich erwartet — der Hunger und die Motivation sind nach wie vor riesig.“ Alpin-Ass Riccarda Ruetz, Gesamtweltcup-Siegerin der Vorsaison und WM-Zweite 2025 in Kühtai, hat die neue Strecke bereits während der Bauphase inspiziert: „Ich glaube, dass es eine coole Bahn wird.“

Für Fogelis fügt sich das alles in ein Bild, das er klar vor Augen hat. Die WM 2027 in Innsbruck/Igls ist für ihn kein Selbstzweck, sondern ein Argument — für den Sport, für die Gastgeberregion, für die Idee, dass Rodeln mehr ist als die Summe seiner Teile.