Berchtesgaden (pps) Zum dritten Mal stellt sich der Berchtesgadener Josef Fendt beim 54. Kongress des Internationalen Rennrodel-Verbandes (FIL) als Präsident zur Wiederwahl. „Ich möchte zusammen mit meinen Kollegen aus der Exekutive die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre fortsetzen. Wir haben gemeinsam in der jüngsten Vergangenheit eine Modernisierung des Rennrodelsports eingeleitet, die aber noch nicht abgeschlossen ist“, begründete Fendt seine erneute Kandidatur. Der Weltmeister von 1970 und 1974 war 1994 in Rom (Italien) zum Nachfolger des verstorbenen Gründungspräsidenten Bert Isatitsch gewählt und bei den Kongressen 1998 (Colorado Springs/USA) und 2002 (Wolfgangsee/AUT) in seinem Amt bestätigt worden.

Nach Ansicht von Fendt muss der Weltverband trotz der Überprüfung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) nicht um seinen Status als olympische Disziplin fürchten. „Im Gegensatz zu den Sommerspielen, bei denen bekanntlich zwei Sportarten aus dem olympischen Programm gestrichen wurden, sehe ich die Gefahr bei Winterspielen als nicht so groß an. Das Winterprogramm ist nicht so umfangreich wie das im Sommer. Ich glaube, so schnell wird es da nicht zu Streichungen kommen“, sagte Fendt im Interview mit FIL Press. Fendt, seit April zudem Mitglied der IOC-Kommission „Sport und Umwelt“, sieht die FIL als „festen Bestandteil der Olympic Family“ an.

Das Interview im Wortlaut
Sie sind im April auf Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft der Wintersportverbände in die Kommission „Sport und Umwelt“ des Internationalen Olympischen Komitees berufen worden. Damit ist der Internationale Rennrodel-Verband FIL erstmals in einer IOC-Kommission vertreten. Was bedeutet dies für die FIL?

Josef Fendt: „Diese Berufung spiegelt das Vertrauen der anderen Wintersportverbände in die FIL wieder. Sie zeigt, dass die FIL innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der Wintersportverbände akzeptiert ist und unserer Stimme auch Gewicht beigemessen wird. Die Berufung beweist aber auch, dass wir als FIL ein fester Bestandteil der ‚Olympic Family’ sind. Für mich persönlich ist es natürlich eine Auszeichnung, in einem IOC-Gremium vertreten zu sein.“

Stichwort IOC. Nach den Sommersportverbänden im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2008 in Peking stehen nun die Wintersportverbände auf dem IOC-Prüfstand. Wie ist der Stand der Dinge?

Josef Fendt: „Wir sind gerade dabei, die vom IOC verschickten Fragebögen auszufüllen. Sie sind sehr umfangreich, umfassen insgesamt 16 Seiten. Im Gegensatz zu den Sommerspielen, bei denen bekanntlich zwei Sportarten aus dem olympischen Programm gestrichen wurden, sehe ich die Gefahr bei Winterspielen als nicht so groß an. Das Winterprogramm ist nicht so umfangreich wie das im Sommer. Ich glaube, so schnell wird es da nicht zu Streichungen kommen.“

Welche Argumente sprechen denn für das Rennrodeln als olympische Sportart?

Josef Fendt: „Wir haben bei den Winterspielen in Turin hervorragende Einschaltquoten erzielt. Die Entscheidung bei den Herren sahen beispielsweise in Deutschland rund 8,3 Millionen Zuschauer an den TV-Geräten, sie kam damit unter die Top Ten der Olympia-Übertragungen. In Italien verfolgten 5,5 Millionen Zuschauer den Olympiasieg ihres Landsmannes Armin Zöggeler. Neben guten TV-Quoten können wir zudem zuletzt mit dem lettischen Sigulda, dem japanischen Nagano und dem US-amerikanischen Park City auf drei Weltmeisterschaften in den drei Kontinenten Europa, Asien und Nordamerika verweisen. Wir sind - auch Dank unseres Entwicklungsprogramms - mit unserem Sport weltweit gut vertreten.“

Das ist aber noch nicht alles?

Josef Fendt: „Wir freuen uns auf sehr attraktive und zuschauerträchtige Weltmeisterschaften 2007 im österreichischen Innsbruck-Igls und 2008 im deutschen Oberhof. Außerdem haben wir unser Regelwerk modifiziert, den Weltcup-Zeitplan gestrafft, Qualifikations-Normen eingeführt und unseren Veranstaltungen insgesamt mehr Professionalität verschafft. Mit Stolz können wir zudem vermelden, dass wir im Gegensatz zu anderen Sportarten seit nunmehr sechs Jahren keinen Doping-Fall verzeichnen mussten. Intensiv fördern wir auch seit Jahren mit unserem Solidaritätsprogramm die so genannten schwächeren Nationalverbände. Auch wenn wir uns noch längst nicht am Ende der Entwicklung sehen, befinden wir uns auf einem sehr guten Weg, fester Bestandteil des olympischen Programms zu bleiben.“

Ist damit auch die Hoffnung auf Aufnahme des Team-Wettbewerbs in das olympische Programm verbunden?

Josef Fendt: „Ich habe immer betont, dass unsere Anträge auf Aufnahme der Naturbahn und des Team-Wettbewerbs in das olympische Programm getrennt betrachtet werden müssen. Die Vorgehensweise des IOC in diesen beiden Angelegenheiten bestätigt diese Ansicht. Den Naturbahn-Rodlern bleibt vorerst die Aufnahme verwehrt, was wir natürlich sehr bedauert haben. Die Entscheidung über den Team-Wettbewerb wird das IOC im Herbst dieses Jahres treffen. Wir sind weiterhin der Meinung, dass der Team-Wettbewerb eine attraktive Disziplin darstellt und er es verdient hätte, in das olympische Programm aufgenommen zu werden.“

Beim 54. FIL-Kongress Ende Juni in Berchtesgaden stellen Sie sich zur Wiederwahl. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in diesen Kongress?

Josef Fendt: „Zunächst einmal freue ich mich, dass dieser Kongress in meiner Heimat stattfindet. Das ist natürlich etwas Besonderes. Und dann möchte ich zusammen mit meinen Kollegen aus der Exekutive die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre fortsetzen. Wir haben gemeinsam in der jüngsten Vergangenheit eine Modernisierung des Rennrodelsports eingeleitet, die aber noch nicht abgeschlossen ist.“

Sie haben bei ihrer Wiederwahl vor vier Jahren in erster Linie mehr TV-Zeiten versprochen. Was ist auf diesem Gebiet geschehen?

Josef Fendt: „Wir haben unsere TV-Zeiten in den vergangenen vier Jahren weiter ausbauen können. Wir sind regelmäßig bei Eurosport vertreten, bei Eurosport 2 und Sport Italien sogar live. Neben den umfangreichen TV-Übertragungen in Deutschland, dem wichtigsten Markt für unsere Partner im Sponsorenbereich, werden die Viessmann Weltcups regelmäßig in den USA und auch Kanada ausgestrahlt. Neu hinzu kam im vergangenen Winter ein Sender in Asien und Russland, nicht zuletzt dank der Erfolge von Albert Demtschenko, der ja dann in Turin auch die Silbermedaille gewann. In Russland wurden insgesamt rund 30 Stunden live von unseren Veranstaltungen berichtet. Mit den Olympiasiegen von Armin Zöggeler und dem österreichischen Doppel Wolfgang und Andreas Linger erhoffen wir uns auch eine bessere TV-Präsenz in Italien und Österreich. Dennoch hat sich die TV-Bilanz deutlich verbessert und kann sich auch im Vergleich mit anderen Wintersportarten sehen lassen.“

Kommen wir zum Sport. Täuscht der Eindruck oder ist tatsächlich die Breite in der Rennrodel-Spitze größer geworden?

Josef Fendt: „Bei den Herren kamen bei den Olympischen Winterspielen in Turin Teilnehmer aus fünf verschiedenen Nationen auf die ersten fünf Plätze. Lettland gewann durch Martins Rubenis erstmals in seiner Geschichte eine Olympiamedaille, die vor Ort von der anwesenden Staatspräsidentin Vaira Vike-Freiberga sofort gebührend gefeiert wurde. Insgesamt gewannen fünf verschiedene Nationen mindestens eine Medaille. Ich persönlich finde es etwas schade, dass die Mannschaft der USA mit zwei vierten Platzen nach den vier Medaillen 1998 und 2002 diesmal leer ausging.“

Georg Hackl, der erste Wintersportler, der fünf Medaillen hintereinander bei Olympischen Winterspielen gewann, hat seine Laufbahn beendet. Befürchten Sie ohne das langjährige Aushängeschild negative Auswirkungen?

Josef Fendt: „Georg Hackl geht dem Rennrodelsport ja nicht verloren. Er bleibt unserem Sport als Trainer erhalten, wird wahrscheinlich auch als TV-Experte weiterhin bei unseren Veranstaltungen mit von der Partie sein. Außerdem hat er ja selbst angekündigt, wie auch schon in der Vergangenheit die Arbeit der FIL zu unterstützen.“

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