Kristers Aparjods ist am Eiskanal groß geworden

In Mailand Cortina 2026 wird er bei seinen dritten Olympischen Winterspielen antreten

Kristers Aparjods, Oberhof 2026

Berchtesgaden (FIL/27.01.2016) Kristers Aparjods ist entwaffnend ehrlich. „Meine Schwester und ich hatten gar keine andere Chance als zu rodeln“, sagt der 27-jährige Lette. Mutter Aiva Aparjode, selbst eine ehemalige Rodlerin und Olympiastarterin, hat ihre Kinder Kendija und Kristers immer mit zum Eiskanal in Sigulda genommen, wenn sie dorthin gegangen ist. Und sie waren sehr häufig dort. „Sie hat uns auf den Schlitten gesetzt, angeschoben und gesagt: ,Viel Glück’“, berichtet der Sohn über seine Anfänge. Damals war er neun Jahre alt. Als Goldmedaillengewinner der Youth Olympic Games 2016 in Lillehammer, gab er in der darauffolgenden Saison in Winterberg sein Weltcupdebüt. Den ersten Sieg errang er in der Saison 2020/21 in Sotschi. Mittlerweile hat der fünf Siege in seiner sportlichen Vita stehen, drei davon im heimischen Sigulda erzielt.

Aparjods Family

Dass er gemeinsam mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Kendija gemeinsam im Weltcup von Station zu Station reisen kann, weiß Kristes Aparjods durchaus zu schätzen. „Es ist sehr schön, dass wir beide auf dieser Bühne fahren und uns gegenseitig unterstützen können“, sagt der 1,95 Meter große Hüne. Und er gesteht: „Wenn der andere fährt, sind wir nervöser als beim eigenen Rennen.“ Damit geht es den Aparjods ähnlich wie Svante und Tove Kohala, dem anderen (gemischten) Geschwisterpaar aus Schweden. Dafür ist die Freude umso größer, wenn zusammen in der Teamstaffel, wie zuletzt im Januar 2025 in Altenberg, der Sieg herausgefahren werden kann.

Kristers Aparjods, Beijing 2022

Die Spiele in Cortina d’Ampezzo sind die dritte Teilnahme von Kristers Aparjods. Auf der einen Seite freut er sich auf die Rennen im Cortina Sliding Centre „Olympische Spiele sind etwas ganz Anderes als ein Weltcup“, sagt er, „nicht immer gewinnt derjenige, der im Vorfeld als Favorit erscheint.“ Wobei er den Kreis der Medaillenkandidaten durchaus groß anlegt: die Deutschen Felix Loch und Max Langenhan, die Österreicher Jonas Müller, Nico Gleirscher und Wolfgang Kindl sowie die Italiener Dominik Fischnaller und Leon Felderer. Und Kristers Aparjods? „Eine Medaille wäre super“, sagt er. Doch, und davor hat Kristers Aparjods großen Respekt, die olympische Entscheidung wird in vier Durchgängen ausgefahren und nicht wie im Weltcup in zwei. „Vier Läufe sind doppelt so viele, zwei gute Rennen bedeuten noch gar nichts“, erläutert er, „und die Nacht macht etwas mit einem.“ Da ist Ruhe bewahren gefragt. So wie bei seinem Hobby Angeln.

Zumindest gefällt Kristers Aparjods der 1749 Meter lange Eiskanal in Cortina. „Grundsätzlich ist die Olympiabahn in Cortina einfach“, erklärt er, „trotzdem ist es manchmal schwer, die richtige Linie zu finden. Das macht sie so herausfordernd.“ Entscheidend allerdings sei der Start. „Wenn man dann alles zusammenbekommt, dann ist alles möglich.“ Eines ist auch sicher: Mutter Aiva Aparjode wird wieder viel Glück wünschen. Doch statt den Schlitten anzuschieben wird sie auf der Tribüne mitzittern und die Daumen drücken.