Max Langenhan – der Gejagte mit dem entspannten Fokus
Kurz vor den XXV. Olympischen Winterspielen Mailand Cortina 2026
Oberhof (FIL/29.01.2026) Cortina d’Ampezzo rückt näher. Während im Olympischen Dorf die letzten Vorbereitungen laufen, bezieht am Samstag, 31. Januar, auch einer der größten Favoriten im Rennrodeln sein Quartier: Max Langenhan, amtierender Weltmeister, zweimaliger Gesamtweltcupsieger – und für viele der Mann, den es bei den Olympischen Entscheidungen zu schlagen gilt.
Dabei ist Langenhan keiner, der laut auftritt. Kein großes Pathos, kein olympisches Trommelfeuer. Stattdessen: Ruhe, Klarheit – und ein sehr genaues Bild von dem, was ihn in Cortina erwartet. Schon bei der Vor-Homologierung im Frühjahr 2025 und der Internationalen Trainingswoche im Herbst war der Deutsche im neuen Cortina Sliding Cetnre unterwegs. Sein erstes Fazit klang beinahe schwärmerisch: Die Bahn gefalle ihm „total“. Nicht nur wegen der Linien, sondern wegen des gesamten Flairs. Berge, Geschichte, Tradition – Cortina atmet Wintersport. „Jetzt hier eine neue Bahn zu haben, ist schon etwas Besonderes“, sagt er.
Sportlich verspricht der Eiskanal wenig Raum für Fehler. Langenhan erwartet enge Entscheidungen, Läufe auf Messers Schneide. Schlüsselstellen wie die Curva Antelao, die Curva Cristallo und das Labyrinth 1–3 werden über Medaillen entscheiden. Wer dort nicht sauber durchtrifft, verliert Zeit – und die kommt in Cortina nicht zurück.
Als Favorit kennt Langenhan die Konkurrenz genau. Ganz oben auf seiner Rechnung steht der eigene Zimmerkollege und dreifache Olympiasieger Felix Loch. Dazu kommen die formstarken Österreicher Jonas Müller und Nico Gleirscher, Italiens Hoffnung Dominik Fischnaller sowie der Lette Kristers Aparjode. Neue Namen? Fehlanzeige. „Die üblichen Verdächtigen“, sagt Langenhan nüchtern – und weiß genau, wie klein die Abstände geworden sind.
Die Rolle des Gejagten liegt ihm dabei besser, als man vermuten könnte. Druck empfindet er weniger durch Titel oder Kristallkugeln, sondern durch den eigenen Anspruch. Gerade in der vergangenen Saison haben ihn Fehler in den Rennen mehr beschäftigt als jede Statistik. „Ich kann nie ganz zufrieden sein“, gibt er offen zu. Selbst nach Siegen denkt er an den einen kleinen Patzer. Ehrgeiz ist seine größte Stärke – und manchmal auch seine größte Schwäche.
Dieser Perfektionismus hat ihn aber auch zu dem Athleten gemacht, der er heute ist. Einer, der über „98- oder 99,9-Prozent-Läufe“ spricht und den perfekten Durchgang noch immer jagt. Einer, der weiß, wie wertvoll Erfahrung ist – und wie viel er noch von Felix Loch lernen kann, etwa beim schnellen Anpassen an neue Bedingungen. „Er legt einfach den Schalter um“, sagt Langenhan anerkennend.
Was ihn von vielen Konkurrenten unterscheidet, ist seine Gelassenheit am Wettkampftag. Wo andere nervös werden, wirkt Langenhan fast tiefenentspannt. Für ihn ist ein WM- oder Olympia-Rennen „einfach nur ein Rennen“. Der Fokus kommt im richtigen Moment, danach schaltet er schnell wieder ab. Nicht verkrampfen, nicht verkopfen – sondern mit Spaß an die Sache herangehen.
Und doch ist das Ziel klar. „Natürlich will ich Olympiasieger werden“, sagt er. Gleichzeitig weiß er: Bei Olympischen Spielen kann am Tag X jeder perfekt treffen. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Ehrgeiz, Selbstkritik und innerer Ruhe, die Max Langenhan in Cortina so gefährlich macht.
Am Samstag zieht er ins Olympische Dorf ein. Die Bühne ist bereitet. Jetzt beginnt die letzte Phase – für den Weltmeister, den Gesamtweltcupsieger und den Mann, der in Cortina nicht nur von der Bahn schwärmt, sondern auf ihr Geschichte schreiben will.





