Neuer FIL-Vizepräsident Alpin Rodeln: „Entwicklung nicht ausschließlich auf Olympia konzentrieren“

Simon Paregger zum FIL-Vizepräsidenten für Alpin Rodeln gewählt - Antrittsinterview

Berchtesgaden (FIL/09.07.2026) Der Österreicher Simon Paregger wurde beim 74. Kongress des Internationalen Rodelverbandes FIL Mitte Juni in Berchtesgaden (GER) zum neuen FIL-Vizepräsidenten für Alpin Rodeln gewählt. Der 35-Jährige aus Längenfeld (Tirol) folgt auf Sorin Buta (ROU), der von 2022 bis 2026 das Amt innehatte. Nach seinem wohlverdienten Urlaub steht Simon Paregger Rede und Antwort.

Simon Paregger

FIL-Vizepräsident Alpin Rodeln Simon Paregger

FIL: Sie kennen die Welt des Alpin Rodel Weltcups seit fast 20 Jahren. Wie bewerten Sie den aktuellen Stand?
Simon Paregger: „20 Jahre scheinen eine lange Zeit, wenn ich aber auf unseren Sport blicke, dann relativiert sich das. Ich durfte mit vielen Personen zusammenarbeiten, die 40, 50, 60 Jahre, bzw. ihr gesamtes Leben dem Rodelsport gewidmet haben. Davor habe ich allergrößten Respekt, und gemessen an der Geschichte unseres Sportes sind 20 Jahre nur ein ganz kurzer Abschnitt. Genau dieser Blick auf die Geschichte zeigt, dass unser Sport immer Höhen und Tiefen hatte. Entscheidend ist, wie wir mit den Herausforderungen umgehen. Auch jetzt gehen wir neue Wege, schaffen Innovation, Fortschritt und letztlich auch Wachstum. Das Alpin Rodeln hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt, wir sind auf einem sportlich sehr hohen Niveau, wir haben professionelle Veranstalter und engagierte Menschen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Wir stehen vor großen Aufgaben – Materialumstellung, neue Rennformate, steigende Kosten, weniger Fördermittel, Klimawandel und der Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit der Zukunftswerkstatt stellen wir uns den Aufgaben. Im Zusammenspiel mit der klaren Strategie der FIL gilt es, die Ideen umzusetzen.“

FIL:  Wo werden Sie in den nächsten Wochen und Monaten die Hebel ansetzen, was sind die größten Baustellen?
Paregger: „Ich werde gleich zu Beginn das Gespräch mit Athleten, Nationalverbänden, Veranstaltern und Funktionären suchen, um ihre Sichtweisen, Probleme und Lösungsvorschläge aufzunehmen.  Aus diesem Gesamtbild lassen sich dann Prioritäten erkennen. Aktuell sehe ich drei Schwerpunkte: Die Nationalverbände müssen wir besser mit Informationen und Wissen unterstützen, weil dort der Weg vom Breitensport zur Elite stattfindet. Dann gilt es, die Sichtbarkeit und Reichweite von Alpin Rodeln weiter zu erhöhen, denn zu viele Menschen wissen nicht, dass es eine Rodelfamilie und diesen naturverbundenen Sport überhaupt gibt. Drittens müssen wir weiterhin an nachhaltigen Strukturen arbeiten, damit unser Sport langfristig finanziell erfolgreich bleibt. Mein Grundsatz ist: Probleme benennen und Probleme lösen.“ 

FIL: In der Vergangenheit ist der Olympiatraum für die Alpin Rodler mehrmals geplatzt. Verfolgen Sie eine mögliche Aufnahme des Alpin Rodelns ins olympische Programm, oder ist dieser Traum ausgeträumt?
Paregger: „Ausgeträumt ist dieser Traum sicher nicht. Es wäre aber auch falsch, unsere gesamte Entwicklung auf Olympia festzunageln. Der Rodelsport insgesamt muss stärker werden, wir müssen weltweit wachsen. Dann verbessern wir auch unsere Position als Alpin Rodeln im Hinblick auf die Aufnahme ins olympische Programm.“ 

FIL:  Wie würden Sie ihren Führungsstil beschreiben?
Paregger: „Ich würde mich als offen und teamorientiert beschreiben. Beste Entscheidungen werden dann getroffen, wenn unterschiedliche Meinungen gehört werden. Am Ende müssen Entscheidungen getroffen werden, wenn sie zu treffen sind – und dann heißt es, auch die Verantwortung dafür zu übernehmen. Für mich zählt nicht, wer die gute Idee oder schlechte Idee hatte: Gemeinsam müssen wir das Alpin Rodeln weiterbringen.“

FIL:  Wie viele Weltcups werden Sie in Ihrer neuen Funktion vor Ort besuchen?
Paregger: „Der direkte Austausch vor Ort, auch mit den freiwilligen Helfern, ist enorm wichtig. Daher werde ich, so gut es geht, bei allen Weltcups dabei sein.“ 

FIL: In vier Jahren geht diese Amtsperiode zu Ende, wo steht der Alpin Rodel Weltcup 2030?
Paregger: „Der Blick in die Glaskugel ist so eine Sache und mit Vorsicht zu genießen. Ich wünsche mir, dass wir 2030 wieder mehr Nationen im Weltcup sehen werden, dass Nachwuchs- und Aufbaurennserien gut besucht und ein großes Starterfeld haben werden. Ich wünsche mir große und stabile Nationalverbände und eine noch engere Zusammenarbeit innerhalb der FIL. Ziehen wir alle an einem Strang, dann steht Alpin Rodeln 2030 sportlich, organisatorisch und in der öffentlichen Wahrnehmung besser da als heute – darum geht‘s.“

FIL: Vielen Dank für das Gespräch.