Norbert Huber – Ein Südtiroler führt China nach Cortina

Norbert Huber, Cheftrainer China

Berchtesgaden (FIL/05.09.2025) Wenn am 6. Februar 2026 die Olympischen Winterspiele in Mailand-Cortina eröffnet werden, ist es für Norbert Huber ein Heimspiel – auch wenn er längst im Dienste einer anderen Nation steht. Der 60-jährige Südtiroler aus Mühlwald ist seit vier Jahren Cheftrainer der chinesischen Nationalmannschaft im Rennrodeln. Für ihn und sein Team wird es der Höhepunkt eines langen Weges voller Aufbauarbeit, Training und Entwicklung.

Eine Legende auf dem Schlitten

Huber selbst gehört zu den prägenden Gestalten des internationalen Rodelsports. Als einer der wenigen Athleten in der Geschichte gewann er sowohl im Einsitzer als auch im Doppelsitzer große Titel. Dreimal in Folge sicherte er sich zwischen 1985 und 1987 den Gesamtweltcup im Einsitzer, mit Hansjörg Raffl wurde er 1990 Weltmeister im Doppelsitzer und gewann olympisches Silber 1994 in Lillehammer. Heute lebt er in Mühlwald – nur knapp 80 Kilometer entfernt von der neuen Olympiabahn in Cortina d’Ampezzo, auf der er nun seine chinesischen Athletinnen und Athleten zu Erfolgen führen will.

Jubayi / Hou China Luge

Aufbauarbeit in China

Seit vier Jahren formt Huber die junge chinesische Mannschaft, die erst seit wenigen Jahren auf internationalem Niveau mithalten kann. „Wir haben ein gutes Sommertraining gemacht und auch viel Starttraining. Am Start möchten wir schneller sein im kommenden Winter“, erklärt er. Unterstützt wird er dabei von einem breiten Trainerstab mit chinesischen Kollegen und europäischen Experten wie Robert Taleanu (Rumänien) und Wolfgang Schädler (Liechtenstein). „Die Schlitten mache ich und wir werden ein neues Schienenmaterial haben in der Olympiasaison. Ich hoffe, dass es sehr gut sein wird. Die Feinheiten am Schlitten bauen Robert Taleanu und ich zusammen.“

Von Yanqing nach Cortina

Team China

Die Vorbereitung auf die Olympiasaison beginnt im Oktober 2025 auf Eis in Yanqing (China), der Olympiabahn von 2022. Danach reist das Team zur Internationalen Trainingswoche nach Cortina – der ersten offiziellen Gelegenheit, die neue Bahn zu befahren. „Ich habe mir die neue Olympiabahn bereits gut angesehen. Sie ist sehr interessant. Wir müssen versuchen, dass wir in der Vorbereitung und auch bei den Rennen stabile Fahrten zeigen können“, so Huber. Stabilität war in den letzten Jahren ein Problem – und genau daran hat er mit seinen Schützlingen besonders gearbeitet.

Fortschritte und neue Stärke

„Einige Athleten haben gute Fortschritte gemacht“, sagt Huber. Er weiß, dass Cortina eine große Herausforderung wird, aber auch eine Chance: „Ich denke, dass unsere Doppelsitzer gute Platzierungen erreichen können, aber auch die Einsitzer werden stärker sein im kommenden Jahr.“ Gerade im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele sei es wichtig, den Athleten nicht nur technische Stärke, sondern auch mentale Sicherheit zu geben. „Genau im mentalen Bereich waren wir nicht gut und haben diesen Sommer daher viel im mentalen Bereich mit unseren Athletinnen und Athleten gearbeitet.“

Junge Mannschaft mit Ambitionen

Team China

Das Team China ist jung und im Umbruch, doch die Motivation ist groß. „Die Stimmung ist gut, alle sind wohlauf und ich hoffe, dass wir gesund und unfallfrei zu den Olympischen Spielen kommen. Letztes Jahr war ein schlechtes Jahr für uns mit mehreren verletzten Sportlern.“ Für Huber ist klar: gute Resultate bei Olympia bedeuten auch eine bessere finanzielle Unterstützung für die Zukunft.

Das große Ziel: Cortina 2026

Für den erfahrenen Südtiroler, der selbst Olympisches Edelmetall sowie Welt- und Europameistertitel errang, ist es ein besonderer Moment, die Spiele quasi vor der eigenen Haustür zu erleben – aber eben als Trainer einer chinesischen Mannschaft. „Dass wir Spaß haben am Rodeln und mit Ehrgeiz und Lockerheit in die Rennen gehen können. Dann werden die Ergebnisse auch gut sein“, wünscht sich Huber für die kommenden Monate.

Und an die Fans richtet er eine klare Botschaft: „Wir werden auch dieses Jahr bessere Ergebnisse erreichen und ich hoffe auf einige Überraschungen.“

Wenn also in Cortina die Rodler um olympisches Edelmetall kämpfen, wird einer ganz besonders genau hinschauen: Norbert Huber – der Südtiroler, der Chinas Rodlerinnen und Rodler auf die Spur der Weltelite führen will.