Saisonbilanz Einzel: Wenn Tausendstel über die Kristallkugel entscheiden
FIL Rodel Saison 2025/2026
Berchtesgaden (FIL/13.03.2026) Dieses Fazit glaubt man Julia Taubitz nach dem Abschluss des EBERSPÄCHER Rodel Weltcups gerne: „Ich bin extrem happy“, sagte die 30-jährige Deutsche in Altenberg. In diesem Moment dachte sie nur an den Ausgang des Saisonabschlusses: „Es war das spannendste Weltcupfinale meiner Karriere, absolutes Herzschlagfinale.“ Vier Punkte Vorsprung hatte sie nach den neun Rennen auf ihre Teamkollegin Merle Fräbel. Die 22-Jährige konnte allerdings nur an acht Wochenenden starten, weil sie im Januar in Winterberg krankheitsbedingt pausieren musste. Dass sie es trotzdem geschafft hat, bis zum Schluss die Chance auf die große Kristallkugel hatte, verdient größten Respekt.
Im letzten Lauf der Saison bekam Julia Taubitz noch ein wenig Unterstützung von Kendija Aparjode. Die Lettin, die nach dem ersten Durchgang an der Spitze gelegen hatte, kam als Drittplatzierte sieben Tausendstelsekunden hinter Taubitz ins Ziel. Wenn Aparjode achtTausendstel schneller gewesen wäre, dann hätte Fräbel ihre erste Kristallkugel bekommen und nicht Taubitz ihre sechste, fünf davon hintereinander. „Ich bin ganz froh, dass die Kendija mitgemacht und Schützenhilfe geleistet hat“, bedankte sich Taubitz.
Die dritte Rodlerin, die noch bis zum Finale um den Gesamtsieg kämpfte, war Lisa Schulte. Dies gelang der Österreicherin, obwohl sie kein Rennen gewinnen konnte. Dafür überzeugte die 25-Jährige durch ihre Konstanz und mit drei zweiten Plätzen. Dagegen konnte sich ihre Landsfrau Hannah Prock zweimal, immer in Winterberg, in die Siegerliste eintragen. Da steht sie in einer Reihe mit Taubitz (2 Siege), Fräbel (3) und der US-Amerikanerin Summer Britcher (2).
Doch in der Saison 2025/26 fanden auch noch die Olympischen Spiele in Cortina statt. Auch in der Pista Olimpica Eugenio Monti kam es, wie im EBERSPÄCHER Weltcup, zum Zweikampf zwischen Taubitz und Fräbel. Ebenfalls mit dem besseren Ende für Taubitz. Konkurrentin Fräbel, bis dahin in Schlagdistanz auf Platz zwei, verriss beim Start zu Durchgang drei ihren Schlitten und fiel weit zurück. Am Ende war es Platz acht. Diese Enttäuschung zu verarbeiten, brauchte Zeit und Kraft. „Es war die mental anstrengendste Saison, die ich bislang hatte“, gestand Fräbel in Altenberg. Ihr Pech war das Glück von Elina Bota (Lettland) und der US-Amerikanerin Ashley Farquharson, die so Silber und Bronze gewannen.
Ähnliche Erfahrungen wie Fräbel hat auch Felix Loch schon bei Olympischen Spielen gemacht. In Pyeongchang 2018 hatte er seine Hand schon an der Goldmedaille, seiner dritten im Einzel, als ihm im vierten Durchgang ein Fahrfehler aus Kurve 9 unterlief und er lediglich Fünfter wurde. In Cortina verzog er als einer der Favoriten seinen Schlitten bereits nach zehn Metern – statt Edelmetall blieb nach einer Aufholjagd nur Platz sechs für ihn. Statt seiner triumphierte sein Teamkollege Max Langenhan. Der 27-Jährige zog beim Saisonfinale, das er wegen einer Nackenverletzung auslassen musste, sein Fazit: „Am Ende kann ich sagen: Saisonziel ganz klar erreicht. Ich habe auf genau ein Rennen hintrainiert und hingefiebert. Bei Olympia hat es gut funktioniert, insofern bin ich zufrieden.“ Im Weltcup erreichte er Gesamtrang drei: „Schon ein schöner Abschluss.“
Den hatte auch Loch in Altenberg. Denn nach fünf Siegen in diesem Winter zog er mit seinem 57. Weltcuperfolg im Einzel nicht nur mit Rekordsieger Armin Zöggeler (Italien) gleich, sondern holte auch seine achte Kristallkugel. „Bis auf einen kleinen Makel, ausgerechnet bei den Olympischen Spielen, war das eine gelungene Saison“, sagte der 36-Jährige, „es waren zwei Tage, an denen es nicht gepasst hat. Ansonsten war die Saison sensationell.“
Zumal er mit Jonas Müller einen Konkurrenten auf Augenhöhe hatte. Denn wenn der 28 Jahre alte Österreicher, der bei den Olympischen Spielen hinter Olympiasieger Langenhan Silber gewonnen hatte, nicht auf einen Start beim Finale in Altenberg verzichtet hätte, wäre es dort zum großen Showdown gekommen. So konnte der 28-Jährige seinen drei Saisonsiegen keinen weiteren hinzufügen.
Ähnlich wie Langenhan hat auch das italienische Team um Dominik Fischnaller den Schwerpunkt in der abgelaufenen Saison ganz auf die Heimspiele in Cortina gelegt. Zwei Weltcupwochenenden haben sie ausgelassen, um sich auf der neuen Bahn einen Vorteil zu erarbeiten. Was sich nicht nur für Fischnaller ausgezahlt hat: Der 33 Jahre alte Italiener gewann Bronze. Im Ziel war er vom gesamten Team gefeiert worden, als habe er Gold gewonnen. Zu dem Zeitpunkt wusste ja noch keiner, dass noch zwei Goldmedaillen in den beiden Doppelwettbewerben folgen sollten.




