Selina Egle und Lara Kipp – das ideale Doppel-Duo

Rodlerinnen auf dem Weg zu den Olympischen Winterspielen in Mailand Cortina 2026

Cortina (FIL/02.02.2026) Wann ihre Freundschaft begonnen hat, können Selina Egle und Lara Kipp nicht mehr genau sagen. „Schon ewig“, sagt Kipp. Sie waren in derselben Schule in Innsbruck. Und sind beide gerodelt. Dass sie eines Tages gemeinsam rodeln würden, hätten sie sich nie träumen lassen. Denn im Doppel durch die Eisrinnen zu rasen, das stand absolut nicht auf dem sportlichen Plan. Bei den Trainern allerdings schon. „Zuerst wurden wir gemeinsam auf ein Zimmer geschickt, erzählt Unterfrau Kipp, „danach wurden wir überredet, gemeinsam Doppel zu fahren.“ Weil auch der Größenunterschied – Egle ist 1,84 Meter groß, Kipp 1,63 Meter – ideal für ein Doppel ist. Vorderfrau Egle ergänzt: „Für die Youth Olympic Games haben sie ein Doppel gebraucht.“

Und was sie für ein Doppel bilden. 2024 wurden sie in Altenberg Weltmeisterinnen. Den Titel konnten sie im vergangenen Winter in Whistler verteidigen, gemeinsam mit Thomas Steu und Wolfgang Kindl holten sie noch Gold im Mixed-Wettbewerb. Dazu kommen drei EM-Titel im Damen Doppel und in der Teamstaffel sowie der Sieg des Gesamtweltcups in der vergangenen Saison. Insgesamt 16 Weltcup-Rennen konnten die beiden Österreicherinnen als Siegerinnen beenden. Und führen damit das Ranking knapp vor ihren deutschen Dauerkonkurrentinnen Jessica Degenhardt und Cheyenne Rosenthal (14) an.

Obwohl die Chemie zwischen Selina Egle und Lara Kipp von Anfang an gestimmt hat, ließ der sportliche Erfolg dann doch etwas auf sich warten. Was auch an Degenhardt lag, die mit ihrer damaligen Unterfrau Vanessa Schneider die ersten Olympischen Jugendspiele 2020 in der Schweiz gewonnen hat und dann mit Cheyenne Rosenthal erste Weltmeisterinnen im Damen Doppel wurden.

Nach und nach haben die beiden 23-jährigen Österreicherinnen – Kipp ist drei Monate älter als Egle – sich selbst und dazu die Bahnen kennengelernt. Seitdem klappt’s. „Vom Material waren wir schon immer gut aufgestellt“, erläutert Egle, „und die Kommunikation mit den Trainern klappt sehr gut.“

Tägliches Training, ständiges Reisen, Stress im Eiskanal – natürlich benötigen zwei Freundinnen wie Selina Egle und Lara Kipp einmal ein wenig Abstand. Aber nicht allzu lange. „Wir sehen uns auch außerhalb des Trainings“, sagt Egle. Etwa zum Eis essen in Innsbruck. Nach der Saison steht auch Snowboard fahren auf dem Programm. Oder sie fahren gemeinsam in Urlaub. Zypern war das letzte Ziel. Nur ein Hobby will Selina Egle nicht mit ihrer Sportpartnerin teilen: Puzzle zusammenbauen. „Seit Corona baue ich die zusammen mit meiner Mama“, verrät Kipp. Das größte bislang hatte 9000 Teile und ergab ein Bild in der Größe zwei auf 1,20 Meter.

Während das Team Österreich im Einzel der Damen und Herren und beim Herren Doppel über eine große Leistungsdichte verfügt, sind Selina Egle und Lara Kipp im Damen Doppel meistens die Alleinunterhalter. „Es fehlt definitiv noch ein zweites Doppel, damit man sich gegenseitig pushen kann“, klagt Egle, „aber wir kennen es nicht anders und versuchen, uns mit den Männern zu messen.“ Dadurch wüssten sie vor der Saison nicht, wo sie stehen. Doch die Orientierung an den Herren brachte sie stets weit nach vorne. 

Vorne werden sie auch bei den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo erwartet. Dass sie als Favoriten in die Rennen im „Cortina Sliding Centre“ gehen werden, ist für beiden noch in weiter Ferne. „Wenn ich jetzt schon daran denke, verkopfe ich mich nur“, sagt Kipp. Und Egle ergänzt: „Man kann sich ohnehin nicht zu 100 Prozent auf dieses Großereignis vorbereiten. Olympia findet nur alle vier Jahre statt. Das macht den Druck schon noch einmal größer, weil man ja denkt: ,Ich habe danach erst in vier Jahren wieder die Chance.‘“

Dr. Thomas Bach mit Egle / Kipp Lausanne 2020, Foto: GEPA

Dabei hatten Selina Egle und Lara Kipp mit einer Teilnahme, ein Traum seit Kindertagen, an Olympischen Spielen nicht mehr gerechnet. Kurz vor den Youth Olympic Games 2020 in Lausanne hatte sich Egle das Bein gebrochen. Nichts war’s mit einem Start für die großen Favoritinnen. „Dann wurde 2022 das Damen Doppel ins olympische Programm aufgenommen, deswegen ist der Traum wieder da“, sagt Kipp mit einem breiten Lachen im Gesicht. „Hoffentlich geht jetzt der Kindheitstraum in Erfüllung, dass wir teilnehmen dürfen“, ergänzt Egle. Noch ist sie vorsichtig. Eine Verletzung hat die Beiden einmal gehindert. Das soll nicht nochmal vorkommen.

Schade finden sie allerdings, dass die Entscheidung über Gold, Silber und Bronze im Doppel nur in zwei Läufen stattfindet und nicht in vier wie bei den Einzeln. „Dadurch hat der Wettbewerb keinen eigenen Charakter. Ich würde mir wünschen, dass sich das ändert“, fordert Egle. Ob zwei oder vier Durchgänge – das Ziel von Selina Egle und Lara Kipp ist klar. Beide sagen unisono: Man will immer ganz oben stehen. Gold würde schon besser aussehen.“