Cortina-Olympiasieger beim Start-Cup: "Internationale Beteiligung darf gerne wieder wachsen"
Am kommenden Samstag gehört Meransen den Jüngsten: Dann finden auf der Startbahn am Gitschberg internationale Sommerrennen für die Jugendkategorien B, C, D und E statt. Beim 33. Gitschberg Start-Cup am 29. August indes traten 55 Athletinnen und Athleten an, darunter mehrere Olympia-Medaillengewinner und -Sieger von Cortina 2026. Sektionsleiterin Helena Stampfl freut sich über die Treue der Stammgäste – und würde sich für die Zukunft wieder eine breitere internationale Beteiligung wünschen.
Meransen liegt auf 1400 Metern im Südtiroler Pustertal, knapp unter dem Gitschberg. Seit 33 Jahren ist der Ort im Spätsommer Schauplatz eines der beständigsten Wettkämpfe im internationalen Rodelkalender.
In diesem Jahr traten 55 Athletinnen und Athleten an. Ein Jahr nach Olympia – 2025 waren es über 100 – war die Teilnehmerzahl geringer. Sektionsleiterin Helena Stampfl überrascht das nicht. „Im Olympiajahr sind mehr Leute da, mehr Budgets verfügbar", sagt sie. „Ein Jahr danach sieht das anders aus." Mehr deutsche und österreichische Seniorenteams hätte sie sich gewünscht. Stattdessen dominierte der Nachwuchs. In den vergangenen Jahren öffnete der Start-Cup vermehrt seine Türen für Juniorinnen, Junioren und die Jugend A – und diese Öffnung zeigt Wirkung.
Die Ergebnisse – und die großen Namen dahinter
In der Allgemeinen Klasse siegte Dominik Fischnaller (ITA) vor Lukas Peccei (ITA) und Leon Felderer (ITA). Fischnaller war der erste Rodler überhaupt, der die neue Olympiabahn in Cortina hinuntergefahren ist – und holte dort im vorigen Februar Bronze. Bei den Damen gewann Verena Hofer (ITA) vor Marion Oberhofer (ITA) und Nina Zöggeler (ITA). Im Damen-Doppel Senior siegten Andrea Vötter und Marion Oberhofer. Im Herren-Doppel Senior siegten Ivan Nagler und Simon Malleier (ITA).
Bei den Junioren setzte sich Paul Socher (AUT), Junioren-Weltmeister 2025, durch. Bei den Juniorinnen siegte Alexandra Oberstolz (ITA).
Erika Lechner und die Startbahn
Die Geschichte der Anlage in Meransen ist mit dem Namen von Erika Lechner verbunden. Die Südtirolerin gewann 1968 in Grenoble Olympiagold – als erste Italienerin im Rennrodeln überhaupt. Lechner war und ist die Leitfigur des Südtiroler Rodelsports. Geplant wurde ebendort eine Kunsteisbahn, die letztlich nicht gebaut wurde; entstanden ist eine Startbahn und ein traditionsreicher, internationaler Wettkampf.
Die Bahn misst 250 Meter – eine Hin- und Rückfahrtanlage, künstlich vereist, betrieben mit einem Kühlsystem, das von Ammoniak auf Glykol umgestellt wurde. „Der Start ist etwas vom Wichtigsten im ganzen Rennen", sagt Stampfl. „Unsere Teams bestanden darauf, dass diese Startbahn bestehen bleibe." Das ist keine Selbstverständlichkeit. Zweimal stand die Schließung ernsthaft im Raum – kurz zu Beginn des Jahrtausends, und dann wieder vor wenigen Jahren. Fördergelder waren gekürzt worden, Vereinsmitglieder hatten sich zurückgezogen. Stampfl übernahm vor über zwei Jahrzehnten. „Es braucht einen langen Atem", sagt sie. „Auch im Rodelsport, in dem es um Hundertstel und Tausendstel geht, gibt es Marathonläufe."
Olympiasieger als Stammgäste
Historische Ergebnislisten zeigen Namen, die später Weltcupgeschichte schrieben. Bei der 12. Auflage 2003 gewann Armin Zöggeler die Herren-Wertung, Ashley Hayden – heute als Ashley Walden FIL-Exekutivboard-Mitglied – siegte bei den Damen. Tatjana Hüfner und die Linger-Brüder standen auf dem Podest. 2026 waren Dominik Fischnaller, Marion Oberhofer, Andrea Vötter und Emanuel Rieder am Start.
Ehrenamt und Ausblick
Der Gitschberg Start-Cup lebt vom Ehrenamt. „Die Arbeit bleibt die gleiche, ob 50 oder 100 Athleten teilnehmen", sagt Stampfl. „Wir leben für den Verein." Früher kamen Teams aus der Ukraine, Lettland, der Schweiz, den USA – zehn, zwölf Nationen. Schon vor Corona wurden es weniger. Für das kommende Jahr hofft Stampfl auf mehr internationale Beteiligung.
Am Samstag starten in Meransen die Jugend B, C, D und E. Diese jungen Athleten werden auch von Stampfls Sohn David Mair betreut. Und auch sie selbst macht weiter. „Wir machen es ja gerne."



