Super Slide Mode: Der schnellste Sport auf Eis wird noch spannender
Die FIL bringt mit der Internationalen Rennrodelordnung (IRO) 2026 weiteren frischen Wind in den Weltcup-Zirkus – und das Herzstück der Neuerungen hat einen Namen, der Programm ist. Sportdirektor Matthias Böhmer spricht über den Super Slide Mode, die weiteren Änderungen der IRO und über einen Weltcupwinter, der in die Geschichte eingehen wird.
Matthias Böhmer, das Highlight der neuen IRO ist zweifellos der Super Slide Mode. Was hat es damit auf sich?
Wir stehen grundsätzlich immer vor demselben Dilemma: Wenn wir etwas Neues machen wollen – und das wollen wir, wir sind neuen Ideen gegenüber sehr, sehr offen –, dann geht das im Bereich Rennformate und Bahninfrastruktur meistens mit großem finanziellem Aufwand einher. Die Kosten müssen auf verschiedene Schultern verteilt werden, und das ist weder nachhaltig noch effizient. Darum, auf den Punkt gebracht: Was können wir neu machen, ohne dass alle Bahnen und Ausrichter massiv investieren müssen, sondern alles Bestehende verwenden können?
Und die Antwort?
Ein bisschen haben wir uns an der FIS, am Alpinski, orientiert. Die Athletinnen und Athleten in der Abfahrt und im Super-G kommen mit wesentlich weniger Training aus als wir. Wir haben uns also entschieden, beim Super Slide Mode die Trainingsläufe zu minimieren. Dass das neue Format erstmals in Oberhof im Januar zur Anwendung kommt, liegt quasi auf der Hand. Die Bahnbetreiber in Oberhof haben in den vergangenen Jahren sehr viel Training ermöglicht, und die Sturzrate dort ist zudem sehr gering.
Wie funktioniert Super Slide Mode konkret im Rennen?
Das Gesamtkonstrukt, zusammengefasst: Kein getrennter Nations Cup, kein Seeding-Training – alle haben zwei Trainingsfahrten, und dann gibt es einen Qualifikationslauf, auch für die gesetzten Gruppen. Die besten 30 Einsitzer und 24 Doppel qualifizieren sich für das Finale und fahren gleichzeitig schon die Startreihenfolge aus. Alle starten ab dem Qualifikationslauf mit einem Reaktionsstart, ähnlich wie in der Teamstaffel. Am Ziel überqueren sie aber ganz normal die Ziellinie, ohne Touchpad.
Und zwischen den Läufen?
Das ist eine zentrale Neuerung. Normalerweise kann man im Rodeln zwischen den Läufen alles am Material optimieren, beispielsweise auf die Witterungsbedingungen einstellen – ganz wie man möchte. Im Super Slide Mode ist das nicht mehr möglich. Nach dem ersten Lauf kommen die Schlitten in einen Parc fermé – man könnte sagen, wir haben uns da gedanklich bei der Formel 1 bedient – und werden vom Technischen Delegierten beaufsichtigt. Bei Beschädigungen darf natürlich an ihnen gearbeitet werden, aber ansonsten darf nichts am Schlitten gemacht werden. Auch geschliffen muss ausschließlich mit dem offiziellen Schleifpapier werden, das der Technische Delegierte ausgibt – es hat dann für alle dieselbe Körnung.
Das klingt nach mehr Chancengleichheit.
Ja, das ist auch das Ziel. Niemand soll sich durch Ausrüstungswechsel oder Nachjustierung einen Vorteil verschaffen können. Gleichzeitig erhoffen wir uns mehr Storytelling, mehr Action und einen frischeren Ablauf im gesamten Weltcup-Zirkus. Der Super Slide Mode wird als ganz normaler Weltcup gewertet und dementsprechend bepunktet.
Und wenn es gut läuft?
Dann könnte ich mir vorstellen, dass in der Folgesaison mehrere Super Slide Mode-Rennen stattfinden. Man hätte dann quasi zwei Kategorien: den klassischen Weltcup-Modus und den neuen Super Slide Mode. Lassen wir uns von unserem ersten Test überraschen – aber ich bin bereits jetzt überzeugt, dass es ein Erfolg wird.
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Der Super Slide Mode wird in Oberhof seinen Praxistest erleben – und er steht sinnbildlich für das, worum es im Internationalen Rodelverband geht: Geschaffenes zu bewahren, offen zu sein für Neues, im Sinne des Sports und seiner Protagonisten zu arbeiten. „Ihr seid es, die für die Athletinnen und Athleten einen Safe Place schaffen", hatte FIL-Präsident Einars Fogelis zu den anwesenden Veranstaltern beim Race Organiser Meeting in Lillehammer Mitte August gesagt. Ein Safe Place ist gleichzeitig ein Ort, an dem der Sport mutiger, schneller und moderner werden kann. Kein Widerspruch, wie Böhmer zeigt.
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Matthias Böhmer, kommen wir zu den weiteren Neuerungen der IRO. Was ändert sich beim Nachwuchs?
Auf den ersten Blick verschwindet der Kontinental-Cup der Youth A, auf den zweiten lediglich der Name. Aus dem Youth-A-Kontinental-Cup wird die World Youth Series – Europe, North America, Asia. Der neue Name ist kein Zufall: Mit dem „World" im Titel erhoffen wir uns bessere Förderfähigkeit und mehr finanzielle Unterstützung für die teilnehmenden Nationen. Um von Institutionen unterstützt zu werden, macht es in einigen Ländern einen Unterschied, ob man kontinental oder global unterwegs ist. Regel- und wettkampftechnisch bleibt aber alles wie gehabt.
Und bei den Junioren?
Wir werten die Weltmeisterschaften auf und machen sie attraktiver. Wer bei diesen Wettbewerben Rang eins belegt, erhält eine Wildcard fürs letzte Weltcup-Rennen der Saison. Mitte Februar wird in Winterberg die 42. Junioren-WM ausgetragen – dort vergeben wir erstmalig Wildcards für das Weltcupfinale in Königssee Anfang März. Und neu ab dieser Saison: Bei der Junioren-WM gibt es erstmals auch Mixed-Wettbewerbe, im Einzel und im Doppel.
Wieso jetzt diese Aufwertung?
Weil wir wollen, dass der Titel mehr zählt. Junioren-Weltmeister zu werden soll spürbare Konsequenzen haben – und nicht nur: hier ist deine Medaille, und dann ist wieder Ruhe.
Beim Weltcup gibt es mit dem Host Nation Starting Spot ebenfalls eine Neuerung.
Damit erweitern wir die Teilnehmerfelder von 30 auf 31 im Einzel beziehungsweise von 24 auf 25 in den Doppel-Rennen. Das Gastgeberland eines Weltcup-Rennens bekommt künftig pro Disziplin einen zusätzlichen Startplatz – außer bei Team Relay und Mixed. Das gilt allerdings nur einmal pro Winter und Disziplin, nicht bei jedem Heimrennen. Der Deutsche Bob- und Schlittenverband BSD könnte sich also aussuchen, wann er seine nationale Quote einsetzt – etwa im Frauen-Einzel zum Weltcup-Auftakt in Winterberg, für die Doppel in Altenberg oder Oberhof, im Männer-Einzel zum Abschluss in Königssee. Oder alle vier im gleichen Event.
Zum Abschluss: Was ist das Highlight des Winters?
Es ist zu kurz gegriffen, von einem Highlight zu sprechen – wir haben zehn! Klarerweise ist die Weltmeisterschaft in Innsbruck-Igls als Doppel-WM – Kunstbahn und Alpin – etwas ganz Besonderes und liefert eine Weltpremiere. Für die kommenden Jahre sind die Titelkämpfe bereits vergeben: 2028 an Königssee, 2029 an Lake Placid. In den nächsten zwei Jahren wollen wir auch die WM-Ausrichter für 2031, 2032 und 2033 fixieren. Ziel ist, mit unserem Premium-Produkt über die Kontinente und Bahnen weltweit zu performen und gleichzeitig Planungssicherheit zu schaffen.
Ein letzter Satz?
Gerne. Der „fastest sport on ice" ist verdammt schnell unterwegs!



