Vötter/Oberhofer: Gold auf der Heimbahn, und das nächste Ziel steht schon fest
Am 11. Februar 2026 jubelten zwei Südtirolerinnen auf der Ziellinie der Pista Eugenio Monti in Cortina. Andrea Vötter und Marion Oberhofer hatten soeben das erste olympische Damen-Doppel-Rennen der Geschichte gewonnen – mit einer Gesamtzeit von 1:46.284 Minuten, zwölf Hundertstelsekunden vor den deutschen Konkurrentinnen Eitberger und Matschina. 62 Jahre nach der Einführung des Herren-Doppels bei Olympia hatten die Frauen endlich ihre erste olympische Entscheidung. Und die Italienerinnen gewannen sie vor heimischem Publikum.
„Zu Hause, auf dieser Bahn zu gewinnen – das bedeutet mir und uns sehr, sehr viel", sagte Vötter danach.
Vier Jahre, ein Plan, ein Ziel
Dass es so kommen würde, war nicht selbstverständlich – und auch nicht zufällig. „Das Projekt hat vor vier Jahren begonnen", erzählt Vötter. „Als das Damen-Doppel olympisch wurde, haben wir geschaut, wie das funktioniert, ob wir mit den Besten mithalten können." Die Antwort kam in Cortina: nicht nur mithalten – gewinnen.
Für Vötter, 1995 in Brixen geboren, war es die vierte Olympia-Teilnahme. Für Oberhofer, geboren 2000 in Innichen, die erste – und gleich mit Gold. „Viele Leute sind Teil dieser Medaille", sagt Vötter. „Alle haben alles gegeben, unheimlich wichtig waren und sind unsere Trainer, Betreuer und ist die Unterstützung der Sportgruppe." Oberhofer fügt an: „Schön zu sehen, wie viele Menschen eine Freude mit uns gehabt haben. Familie, Freunde, Sponsoren. Wenn ich im Nachhinein die Fotos anschaue, bekomme ich immer noch Gänsehaut."
Muskeltraining gegen Nackenprobleme
Den Sommer nach Cortina nutzten beide bewusst. Vötter verbrachte Zeit mit Familie und Freunden am Gardasee und bei Hüttenwanderungen. Oberhofer hatte nach dem Jubel einen klaren Plan: Sie wollte ihre körperlichen Wehwehchen angehen, bevor das Teamtraining begann.
„Im vorigen Winter hatte ich Nackenprobleme, diese wollte ich loswerden", erklärt sie. „Es ist ja so, dass wir im Rodeln immer in derselben Position liegen und deswegen bestimmte Muskeln beansprucht und andere vernachlässigt werden. In meinem diesjährigen Sommertraining bin ich diese Defizite gezielt angegangen und habe die muskulären Gegenspieler der Rodel-Position gestärkt.“
Tennis und ein gemeinsamer Held
Beide teilen eine weitere Leidenschaft: Tennis. Vötters Freund, der Südtiroler Rodler Kevin Fischnaller, hat sie auf dem Platz zwischendurch deutlich überholt. „Ich habe mir aber Privatunterricht genommen, werde immer besser – wir batteln uns jetzt um Döner und Eis", lacht sie. Auch Oberhofer hat schon vor Jahren den Tennisschläger in die Hand genommen und findet auf dem Platz eine zweite Sport-Liebe. Beide sind sich einig, wer ihr Lieblingsspieler ist: Jannik Sinner, der Südtiroler Weltranglistenerste im Herrentennis – also einer von ihnen. Ohne Zweifel.
Was noch fehlt – und warum der Gesamtweltcup wichtiger ist als der WM-Titel
Olympiagold haben sie. Einen WM-Titel in der Allgemeinen Klasse haben weder Vötter noch Oberhofer bisher gewonnen. Die Weltmeisterschaft in Innsbruck-Igls im Februar 2027 bietet die nächste Chance. „Mit den Österreicherinnen wird es in Innsbruck ganz schwierig", sagt Vötter. Dennoch: alles dransetzen.
Beide würden dem Gesamtweltcup den Vorrang vor dem WM-Titel geben. „Ein Rennen gut zu machen ist einfacher, als bei neun Rennen konstant vorne dabei zu sein", erklärt Vötter. „Der Gesamtweltcup wäre mein erstes Ziel." Oberhofer sieht das genauso. Sie hat in den letzten Jahren immer stärker auf den Saisonhöhepunkt hingearbeitet – jetzt soll die Konstanz über die gesamte Saison kommen.
„Nur weil wir Olympia-Gold gemacht haben, heißt es nicht, dass wir nun satt sind. Wir wollen auch nächste Saison gut dabei sein", sagt Vötter. „Cortina soll keine Eintagsfliege gewesen sein."
Freundschaft als Fundament
Was die beiden verbindet, geht über die Bahn hinaus. „Die Freundschaft macht viel aus für den Erfolg", sagt Oberhofer. „Er entsteht in der Bahn, aber das Umfeld spielt eine Rolle. Wir sind viel gemeinsam unterwegs." Im Sommer sei es deswegen gut gewesen, sich nicht ständig gesehen zu haben – aber die Verbindung blieb dennoch, durch gemeinsame Sponsorentermine, Trainingseinheiten, Gespräche.
Vötter ist im September 2025 nach Meransen gezogen. Oberhofer wohnt in Rodeneck. Beide Orte liegen wenige Kilometer voneinander entfernt. „Die Freundschaft ist im Sport geboren", sagt Oberhofer. „Aber sie wird für das Leben halten."



