Von Lausanne nach Cortina
Wie die Youth Olympic Games den Weg zu Olympia ebnen – erzählt an den Geschichten von Merle Fräbel und Timon Grancagnolo
Cortina (FIL/02.02.2026) Für viele Athletinnen und Athleten beginnt der olympische Traum nicht erst bei den Olympischen Winterspielen, sondern Jahre zuvor – bei den Youth Olympic Games. Sie sind Bühne, Schule und Generalprobe zugleich. Kaum zwei deutsche Rodler verkörpern diesen Weg so eindrucksvoll wie Merle Fräbel und Timon Grancagnolo. Beide haben 2020 bei den Youth Olympic Games Lausanne 2020 Medaillen gewonnen – und beide stehen nun, sechs Jahre später, im Aufgebot von Team Deutschland für die Olympische Winterspiele Mailand Cortina 2026.
Gold und Bronze im Einzel, Silber im Team – und ein erstes olympisches Gefühl
Lausanne 2020 war für Merle Fräbel ein Meilenstein. Die heute 22-Jährige aus Oberhof krönte sich im Damen Einsitzer zur Jugend-Olympiasiegerin. Für Timon Grancagnolo aus Chemnitz endeten die YOG mit einer Bronzemedaille im Einsitzer – ebenfalls ein früher Beweis, dass er auf internationaler Bühne bestehen kann. Beide Rodler gemeinsam holten dann zum Abschluss noch eine Silbermedaille mit der Team Staffel.
Doch die Medaillen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Mindestens genauso prägend war das Erlebnis selbst: Olympisches Dorf, Einkleidung, Medienrummel, Begegnungen mit anderen Sportarten. „Die Einkleidung damals war schon wie Weihnachten“, erinnert sich Fräbel. Auch wenn alles kleiner war – weniger Athleten, ein überschaubares Dorf in St. Moritz – fühlte sich vieles bereits erstaunlich olympisch an.“
Lernen im Kleinen – profitieren im Großen
Für Fräbel war Lausanne eine wichtige Vorbereitung auf das, was sie nun in Cortina erwartet. „Ich fühle mich durch die Teilnahme an den Youth Olympic Games schon gut vorbereitet auf die Olympischen Spiele“, sagt sie. Besonders wertvoll: das Trainings- und Wettkampfformat nach Disziplinen – ein System, das auch bei den „großen“ Olympischen Spielen angewendet wird. „Man konnte sich vom ersten Lauf an mit den anderen vergleichen. Das hat mir sehr viel gebracht.“
Auch Timon Grancagnolo blickt mit leuchtenden Augen zurück. Für ihn waren die YOG der erste echte Kontakt mit dem olympischen Spirit. „Man bekommt eine Teameinkleidung für alle Sportarten, man hat mehr Medienpräsenz als bei den Junioren-Weltcups, Team Deutschland ist präsent.“ In St. Moritz erlebte er nicht nur Rodeln, sondern auch Eisschnelllauf auf dem zugefrorenen See sowie Bob und Skeleton – ein Blick über den eigenen Sport hinaus. „Das war super toll“, sagt er.
Vom Junioren- zum Olympiateam
Beide Athleten stehen exemplarisch für einen Generationenwechsel im deutschen Rodeln. „Timon und ich sind gerade aus den Junioren heraus und haben uns jetzt schon so gut bei den ,Großen‘ etabliert“, sagt Fräbel stolz. Der Sprung von der Nachwuchsebene in die Weltelite ist gelungen – nicht zuletzt dank der Erfahrungen, die sie früh sammeln durften.
Grancagnolo beschreibt die YOG rückblickend als „Olympia im Mini-Format“. Das Dorf – eine ausgebaute Jugendherberge – war eng, das Zusammenleben intensiv. „Ich war mit anderen Sportarten zusammen, das war cool.“ Dazu kam eine kleine, aber emotionale Eröffnungsfeier. Und am Ende: die Medaille als Krönung.
Jetzt wird alles größer
Mailand Cortina 2026 ist nun die nächste, deutlich größere Stufe. Schon die Olympiaeinkleidung in München war für Grancagnolo ein Vorgeschmack auf das, was kommt. „Man merkt sofort, wie viel größer alles sein wird.“ Fräbel sieht das ähnlich – und fühlt sich dennoch bereit. „Ich habe mein Ziel erreicht. Ich bin sehr stolz, zu den Olympischen Winterspielen nach Cortina fahren zu dürfen.“
Beide wissen, dass Olympia sportlich wie emotional eine andere Dimension hat. Grancagnolo bringt es auf den Punkt: „Olympische Spiele sind das größte sportliche Event, an dem wir teilnehmen dürfen.“ Er freut sich auf gutes Essen, nette Gesellschaft, eine anspruchsvolle Bahn – und darauf, „den olympischen Spirit aufzusaugen“.
Ein gemeinsamer Weg – zwei individuelle Träume
Gold bei den Youth Olympic Games, Bronze für den Teamkollegen, jetzt die erste Olympia-Nominierung im Einsitzer: Die Karrieren von Merle Fräbel und Timon Grancagnolo zeigen, wie wichtig die Youth Olympic Games als Sprungbrett sein können. Sie nehmen Nervosität, vermitteln Abläufe, schaffen Erinnerungen – und machen Lust auf mehr.
Lausanne war der Anfang. Cortina ist der nächste große Schritt. Und für zwei junge Rodler aus Deutschland schließt sich ein Kreis, der beweist: Der olympische Traum beginnt oft früher, als man denkt.





