Wolfgang Kindls Traum von drei olympischen Medaillen

Olympische Winterspiele Mailand Cortina 2026

Wolfi Kindl, Peking 2022, Silber Medaille

Innsbruck (FIL/28.01.2026) Wolfgang Kindl hat sein großes Ziel erreicht. Der 1,66 Meter große Rodler aus Innsbruck hat sich für die Olympischen Spiele Mailand Cortina 2026 qualifiziert. Bei seiner fünften Teilnahme kann der 37-Jährige im Cortina Sliding Centre auch noch Geschichte schreiben. „Ich möchte auch mit Medaillen heimfahren – aus dem Einer und dem Doppel“, beschreibt er seine Ambitionen. Möglich wäre sogar noch Edelmetall mit der Staffel. Drei Medaillen hat noch nie ein Rodler bei denselben Olympischen Spielen gewinnen können.

Allein, dass er sich im starken österreichischen Team qualifiziert hat, ist eine Leistung, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. „In unserem Team ist es schon brutal schwer, sich zu qualifizieren“, erläutert Kindl, „in jeder Disziplin muss einer, der Weltklasse ist, zuschauen.“ Im Einzel hatten vier Athleten um drei Startplätze gekämpft: David und Nico Gleischer, Jonas Müller und Kindl. Im Doppel wollten Juri Gatt und Riccardo Schöpf sowie Yannick Müller und Armin Frauscher dem Duo Thomas Steu/Wolfgang Kindl den Startplatz streitig machen. Zuschauen müssen nun 2018-Olympiasieger David Gleirscher sowie das Duo Müller/Frauscher.

Ein großer Pluspunkt in dieser Situation war Kindls große Erfahrung. Vor 20 Jahren gab er bereits sein Debüt im Weltcup. 2017 erlebte er bei der Weltmeisterschaft im heimischen Igls sein bisheriges Karriere-Highlight: Sowohl im Einzel wie auch im Sprint gewann er den Titel. Im Gesamtweltcup wurde er dreimal Zweiter und zweimal Dritter. Bei den Spielen vor vier Jahren in Peking holte er Silber im Einzel und mit dem Team in der Staffel. Doch er musste auch immer wieder mit Rückschlägen fertig werden. Ganz ehrlich gibt er zu, dass er sich beim Schlittenbau ein wenig vertan hat. „Ich habe mich ein wenig verkopft im Material“, erklärt er, „ich habe immer wieder Neues probiert, das dann nicht funktioniert hat.“ Dazu erkrankte er im Sommer 2024 am Pfeifferschen Drüsenfieber, was die Vorbereitung auch nicht begünstigte.

Rodel Austria, Wolfgang Kindl, Krafttraining

Als sehr wichtig bezeichnet Wolfgang Kindl die Entscheidung, dass er neben dem Einer auch im Doppel antritt. Was zunächst nur als Scherz begonnen hat, wurde schnell ein Fakt. Thomas Steu war vor zwei Jahren nach dem Rücktritt seines Untermanns Lorenz Koller auf der Suche nach einem neuen Partner. Aus einer Laune heraus sagte Kindl: „Ich setze mich hinten drauf, das wird schon klappen.“ Es hat geklappt. „Danach haben wir ernstlich drüber nachgedacht und analysiert, wie man das schaffen kann, dass es wirklich funktioniert.“

Die Grundvoraussetzung war erst einmal, dass der Schlitten komplett umgebaut wurde. Schließlich ist Kindl zehn Zentimeter kleiner als Lorenz Koller. Auch im Training mussten Kompromisse eingegangen werden, denn Kindl muss neben dem Doppel auch noch mit dem Einer fahren. „Thomas hat sehr gut mitgespielt“, lobt Kindl seinen Vordermann. Auch bei der Präparation des Schlittens liegt die Hauptarbeit bei Steu. Doch die beiden harmonieren hervorragend. Und sind zudem noch erfolgreich. Zwar nicht immer so wie im vergangenen Winter in Pyeongchang, als Kindl innerhalb von zwei Stunden erst beim Doppelrennen triumphierte und dann auch noch im Einer siegte. In der Endabrechnung belegte Kindl im Einzel Platz fünf, im Doppel mit Steu Platz drei.

Einerseits kann Wolfgang Kindl als Gefühlsfahrer seine Erfahrungen vom Einzel mit ins Doppel nehmen. „Auch im Doppel spürt man, wenn man lenken muss.“ Andererseits profitiert er vom Doppel wieder für den Einsitzer. „Weil ich den Kopf schon immer sehr weit hinten hatte, habe ich sehr wenig auf optische Signale vertraut, sondern bin nach Gefühl gefahren. Ich glaube, dass ich das im Doppel noch ein wenig mehr ausweiten und auf den Einsitzer übertragen konnte.“

Dass Routinier Kindl die Olympiabahn in Cortina beherrscht, hat er im Herbst mit Platz drei im Einer und Platz vier im Doppel bewiesen. Schon damals war der Doppelstart bei den Olympischen Spielen in Cortina ein Stück näher gerückt.