Cesana Pariol, Italien. Armin Zöggeler heißt der alte und neue Olympiasieger, der Italien das erste olympische Gold bei den Spielen in Turin beschert. Albert Demtschenko aus Russland sichert sich Silber vor dem Letten Martins Rubenis. Deutsche Rodel-Ikone Georg Hackl nimmt im letzten Rennen mit Platz sieben seinen Abschied vom aktiven Rennrodeln.

Spannung pur – so läßt sich der zweite Tag der Rennrodler bei den 20. Olympischen Spielen in Turin am treffendsten zusammenfassen.
Wie schon am Samstag hatte Titelverteidiger Armin Zöggeler aus Italien auch im dritten der insgesamt vier Läufe auf der technisch anspruchsvollen und schnellen Bahn in Cesana Pariol die Nase vorn. Zwar konnte der Russe Albert Demtschenko mit der besten Laufzeit von 51.396 Sekunden im dritten Durchgang den am Samstag von Zöggeler aufgestellten Bahnrekord erneut unterbieten und damit seinen Rückstand auf den Italiener von 15 auf 12 Hunderstel Sekunden reduzieren, offensichtlich war der Italiener jedoch nicht zu bezwingen. Martins Rubenis aus Lettland verbesserte sich um einen Rang und verwies den Amerikaner Tony Benshoof damit auf den vierten Platz, gefolgt vom deutschen Trio Jan Eichhorn, Georg Hackl (mit einer Startzeit von 2,56 Sekunden innerhalb des selbst gesteckten Ziels) und David Möller.

Der entscheidende vierte Lauf war an Spannung kaum zu überbieten. Eine große und lautstarke Fangemeinde forderte an der Bahn und auf der Zieltribüne den krönenden Abschluss der überzeugenden Vorstellung ihres Landsmannes Armin Zöggeler. Mit ihm in Führung nach drei Durchgängen mußte die Entscheidung bei umgekehrter Startfolge jedoch bis zum Schluss warten. David Möller verpaßte seinen eigenen Startrekord nur um acht Tausendstel Sekunden und übernahm nach einem überzeugenden Lauf zunächst die Führung, die er gegenüber den nach ihm Startenden, Reinhold Rainer aus Italien, Georg Hackl und Jan Eichhorn behaupten konnte. Erst Tony Benshoof schob sich mit einer Gesamtzeit von 3:26.598 an ihm vorbei. Doch auch seine Zeit hatte nur eine knappe Minute Bestand: Mit der zweitbesten Laufzeit und insgesamt 3:26.445 sicherte sich der Lette Martins Rubenis einen Platz auf dem Treppchen, lediglich die Entscheidung über die Farbe der Medaille hatte er anschließend nicht mehr selbst in der Hand, denn zwei standen noch oben. Demtschenko attackierte und jubelte nach einem beherzten Lauf im Ziel über die Führung mit insgesamt 3:26.198. Aber wie schon in den drei Läufen zuvor dominierte Zöggeler trotz nur fünftbester Laufzeit mit 3:26.088 und bescherte seinen jubelnden Landsleuten das erste Olympiagold in Turin. Silber damit für Demtschenko, Rubenis freute sich über Bronze, die erste Medaille Lettlands bei Olympischen Winterspielen. Den undanbkaren vierten Platz belegte Benshoof vor Möller, Eichhorn und Hackl.

Letzterer nahm anschließend offiziell Abschied vom aktiven Rennrodeln. "Ich bin erleichert," so Hackl, "und der Abschlied fällt mir nicht so schwer, weil ich merke, dass es Zeit wird. Der Körper macht nicht mehr so richtig mit und vor allem mit der Schwäche beim Starten fehlt mir ein wichtiges Parameter." Und auf die Frage, ob er ohne die Verletzung im vergangenen Jahr über eine Fortsetzung nachgedacht hätte: (mit dem ihm eigenen Schmunzeln) "Wenn die Regeln dahingehend geändert würden, dass wie beim Seifenkistenrennen am Start eine Klappe geöffnet und der Athlet auf die Bahn geworfen wird – wer weiss..." Nach einer beispiellosen Karriere wird der "Hackl Schorsch" dem Rennrodeln jedoch verbunden bleiben. Josef Fendt, Präsident des Internationalen Rennrodelverbandes, sieht Hackls Abschied mit Wehmut entgegen und dankte ihm für viele Jahre, in denen er als beispielhafter Athlet maßgeblich zur Entwicklung des Rennrodelsport beigetragen hat.

ZITATE

ZÖGGELER, Armin (ITA): Entscheidend war es, vier saubere Läufe ins Ziel zu bringen, und das ist mir gelungen. Ich wußte, dass ich mich unheimlich konzentrieren mußte, um keinen Fehler zu machen, denn der hätte mich den Sieg gekostet. Albert (Demtschenko) hatte vorher einen guten Lauf und war mir auf den Fersen, also durfte ich keinen Fehler riskieren. Der Druck war ungeheuer groß, aber ich bin froh, dass ich es geschafft habe. Eine olympische Medaille ist immer etwas ganz besonderes - wunderbar, dass es die goldene ist.

DEMTSCHENKO, Albert (RUS): Ich bin sehr glücklich über meine erste olympische Medaille. Es war sehr schwer gegen Armin (Zöggeler), weil er unglaublich stark ist und außerdem im eigenen Land angetreten ist.

RUBENIS, Martins (LAT): Es ist wie es ist, alles ist gut und die lettischen Fans sind die besten. Die Saison war insgesamt nicht so schlecht für mich – bei allen Rennen, an denen ich teilgenommen habe, konnte ich eine Top Ten-Platzierung erreichen, aber mein Hauptziel war Olympia. Ich habe mich voll auf meinen Lauf konzentriert. Als ich die Eins auf der Anzeigetafel sah, wußte ich, das ist die Medaille.

BENSHOOF, Tony (USA): Es wäre schön gewesen, auf dem Treppchen zu stehen, aber es sollte nicht sein - immerhin: nur drei waren bei Olympia besser als ich. Als Martin Rubenis die Medaille sicher war, war mein erster Gedanke: Ich kann nicht glauben, dass er es getan hat.

MÖLLER, David (GER): Der letzte Lauf war so, wie ich alle anderen gerne gefahren wäre. Schade, aber so läuft es eben manchmal.

HACKL, Georg (GER): Das war es! Der Schllitten war gut und ich war mit allen Läufen zufrieden, aber um weiter vorne zu sein, hätte ich bessere Starts haben müssen. Die Vorbereitung war indiskutabel – jetzt hat es mich einmal erwischt, aber es war schön, dabei zu sein. Ich bleib der, der ich bin – der alles gibt und nie aufgibt!

Foto (c) Nancie Battaglia

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