Zwischen Wissenschaft, Wettkampfpraxis und olympischer Verantwortung
Wu Dawei – ein chinesischer Rennrodel-Pionier im Herzen der Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026
Cortina (FIL/15.02.2026) Die weltbesten Rodlerinnen und Rodler haben vom 7. bis 12. Februar in Cortina d’Ampezzo um olympische Medaillen gekämpft und Professor Wu Dawei stand dabei nicht im Scheinwerferlicht – das waren die Athleten. Doch Jury und TDs tragen maßgebliche Verantwortung dafür, dass Fairness, Transparenz und reibungslose Abläufe gewährleistet sind. Als Jurymitglied des Internationalen Rodelverbandes (FIL) verbindet Wu wissenschaftliche Expertise, praktische Trainererfahrung und internationale Sportverwaltung auf einzigartige Weise.
Vom Hörsaal auf die Eisbahn
Wu Dawei arbeitet an der Harbin Sport University, Chinas bekanntester Hochschule für Wintersport. Dort lehrt er als Professor und promovierter Sportwissenschaftler unter anderem Trainingslehre, Leistungsdiagnostik sowie den Einsatz von Big Data, maschinellem Lernen und KI im Hochleistungssport. Sein akademischer Hintergrund prägt bis heute seinen analytischen Blick auf den Rennrodelsport.
Der Weg aufs Eis begann jedoch nicht im Labor, sondern über die Praxis: Seit 2015 war Wu als Trainer maßgeblich am Aufbau der ersten chinesischen Rennrodel-Nationalmannschaft beteiligt. Das ambitionierte Ziel – die Qualifikation in vier Disziplinen für die Olympischen Winterspiele 2022 – wurde erreicht. Ein historischer Schritt für ein Land, das im Rennrodeln erst spät Fuß fasste.
Peking 2022 als Schlüsselerlebnis
Nach seiner Trainerlaufbahn wechselte Wu in die Organisationsstrukturen der Olympic Winter Games Beijing 2022. Als stellvertretender Sportmanager und Rennleiter sammelte er dort umfassende Einblicke in die operativen Abläufe olympischer Wettbewerbe: von der interdisziplinären Koordination über das Regelwerk bis hin zu den klar definierten Verantwortlichkeiten innerhalb der FIL-Strukturen.
Diese Erfahrungen – ergänzt durch seine frühere Tätigkeit im Umfeld internationaler Entwicklungsprogramme wie dem FIL Asian Development Camp in Nagano – bilden heute das Fundament seiner Arbeit als technischer Offizieller und Jurymitglied.
Hüter von Fairness und Präzision
Bei internationalen Wettbewerben, darunter der olympische Testevent und die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026, ist die Jury die höchste vor Ort anwesende Instanz. Wu Dawei überwacht insbesondere die Abläufe im Zielbereich und am Männerstart, koordiniert kritische Prozesse und übernimmt bei der Teamstaffel die Verantwortung für das Touchpad.
„Startprozess, Zielkontrolle und eine klare Kommunikation mit Sportdirektor, technischem Direktor und Rennleiter sind entscheidend“, betont Wu. Ebenso wichtig sei die internationale Zusammensetzung der Jury: Offizielle aus verschiedenen Kontinenten senden ein sichtbares Signal für Neutralität, stärken das Vertrauen aller Nationen und bereichern Entscheidungen durch vielfältige Perspektiven.
Nachwuchsarbeit als Zukunftsprojekt
Parallel zu seinen internationalen Aufgaben treibt Wu die Entwicklung des Rennrodelsports in China voran. Nach Peking 2022 starteten zahlreiche Provinzen – von Beijing über Shandong bis Guangdong und Xinjiang – eigene Nachwuchsprogramme. Talente im Alter von 11 bis 14 Jahren werden in Sichtungscamps anhand von Rollschlitten-Leistungen, athletischer Basis, Motivation und Interesse ausgewählt.
Besonders erfolgreiche Athleten werden in zentrale Trainingslager eingeladen, inklusive erster Erfahrungen auf der Eisbahn. Dass mittlerweile auch Städte im Süden Chinas Rennrodel-Initiativen starten, wertet Wu als starkes Signal für die landesweite Entwicklung. Ehemalige Olympiateilnehmer übernehmen Trainerrollen und geben ihr Wissen an die nächste Generation weiter.
Ein Name steht exemplarisch für diesen Aufschwung: Wang Qingxiu, der sich in kurzer Zeit für die Olympischen Jugendspiele 2024 qualifizierte und zuletzt die Asienmeisterschaften in PyeongChang gewann.
Internationale Kooperation als Schlüssel
Wu ist realistisch: China begann im Rennrodeln später als Europa, Japan oder Korea. Umso wichtiger sei die internationale Zusammenarbeit. Für die kommenden Jahre plant er – mit Unterstützung der FIL – intensivere Trainingslager, Coach-Exchange-Programme und den Wissenstransfer nach China. Die Harbin Sport University könnte dabei als nationale Wintersportakademie eine zentrale Rolle spielen, indem sie internationale Trainer, Schlittenexperten und Sportmanager einlädt.
Cortina: Tradition trifft Zukunft
Die neue Bahn in Cortina d’Ampezzo hat Wu Dawei tief beeindruckt. „Sie ist wunderschön und reich an Geschichte, die bis zu den Olympischen Winterspielen 1956 zurückreicht. Jede Kurve hat nicht nur eine Nummer, sondern einen Namen und eine eigene Geschichte.“ Für ihn ist Cortina ein Symbol dafür, wie Tradition und Moderne im Eiskanalsport zusammenfinden.
Eine Botschaft an die nächste Generation
Sein Rat an junge Athletinnen und Athleten in China ist klar und persönlich:
„Bleibt euren ursprünglichen Zielen treu, verfolgt eure Träume und übertrefft euch immer wieder selbst – ihr seid die Champions eures Lebens.“
Mit Persönlichkeiten wie Wu Dawei zeigt sich, dass der Rennrodelsport längst mehr ist als ein europäisches Kernprojekt. In Milano Cortina 2026 wird nicht nur um Medaillen gefahren – sondern auch an einer wahren, globalen Zukunft des Sports gearbeitet.
Vielen Dank an Professor Wu Dawei und allen FIL Offiziellen und NOTs für die fantastische Unterstützung und ihren ehrenamtlichen Einsatz!





